Moove

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Der New Mobility Podcast von auto motor und sport

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00:00:00: ,940 [Intro] Intro-Musik]

00:00:04: ,160 [Gerd Stegmaier] Move, der New Mobility Podcast von Auto, Motor und Sport.

00:00:09: ,060 [Intro] Intro-Musik faded out]

00:00:13: ,380 [Gerd Stegmaier] Hallo und herzlich willkommen zu Move, dem New Mobility Podcast von Auto, Motor und Sport. Mein Name ist Gerd Stegmayer und an meiner Seite ist immer noch nicht der Luca Leicht. Der ist nach wie vor in Erziehungszeit, aber zum Glück für uns nicht mehr lange. Ähm, ab Juli, denke ich, könnt ihr ihn dann auch wieder hören. Heute aber versuche ich mein Glück alleine

00:00:35: ,100 [Gerd Stegmaier] und ich denke aber, ich werd 'ne interessante Aufnahme hinkriegen, denn heute zu Gast bei mir bei Move ist Herbert Diess. Herzlich willkommen.

00:00:48: ,500 [Herbert Diess] Grüße Sie.

00:00:49: ,860 [Gerd Stegmaier] Tja, ähm, wir

00:00:53: ,520 [Gerd Stegmaier] haben normalerweise den Brauch, dass sich Gäste im, äh, Move-Podcast einmal kurz vorstellen mit so 'nem Elevator Pitch.

00:01:00: ,780 [Herbert Diess] Ja, ja.

00:01:00: ,160 [Gerd Stegmaier] Ähm, ich denke, Sie sind allseits bekannt und ich find's trotzdem ganz spannend. Sagen Sie doch einfach mal kurz: Was haben Sie gelernt? Was haben Sie gemacht?

00:01:09: ,440 [Herbert Diess] Ja.

00:01:09: ,320 [Gerd Stegmaier] Was machen Sie jetzt?

00:01:10: ,540 [Herbert Diess] Ja.

00:01:10: ,680 [Gerd Stegmaier] Und was ist Ihre Mission?

00:01:11: ,660 [Herbert Diess] Ja, ich bin Herbert Diess, äh, geboren '58, ähm, hab, äh, Maschinenbau studiert in München und war dann, ähm, ja, fünfunddreißig Jahre lang in der Automobilindustrie im Weitesten, äh, tätig. Erst bei Bosch, 'nem großen Zulieferer. Da hab ich angefangen in verschiedenen Positionen, dann siebzehn Jahre bei BMW und dann sieben Jahre bei VW. Und ich bin jetzt, ähm,

00:01:37: ,810 [Herbert Diess] tätig am Rande der Mobilität. Ich bin Aufsichtsratchef bei Infineon. Ist wahrscheinlich in Europa bedeutendster Halbleiterkonzern.

00:01:45: ,470 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:01:46: ,220 [Herbert Diess] 'Ne Aufgabe, die große Freude macht, weil sie auch sehr stark mit dem Thema Energiewende zu tun hat. Wir sind weltweit führend bei Leistungshalbleitern, also alle Elektromotoren, immer dort, wo Strom geschaltet, umgewandelt wird, äh, Photovoltaik, Windanlagen-

00:02:02: ,630 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:02:02: ,100 [Herbert Diess] ist mit hoher Wahrscheinlichkeit Infineon drin. Also wir sind, ähm, einer, der von dem Thema Klimawandel anders als viele Teile der Autoindustrie profitiert. Ne, wir können an 'nem Elektroauto doppelt so viel Umsatz machen wie an 'nem Verbrenner. Wir sind aber auch, äh, weltweit der größte Ausrüster für die Halbleiteranforderung in der Autoindustrie. Also unsere zwei starken Felder sind Leistungshalbleiter und, äh, Microcontroller für die Autoindustrie, Microcontroller und Leistungshalbleiter für die Autoindustrie.

00:02:34: ,900 [Herbert Diess] Und daneben bin ich, äh, engagiert hier bei 'nem Start-up, The Mobility House. Deswegen sind Sie ja nach München gekommen. Wir werden die Autobatterien dafür nutzen, den billigen Sonnenstrom, den wir ja in Deutschland im Übermaß haben, äh, über die Autos in die Nacht zu schieben, machen damit 'n bisschen Marge und damit, äh, auch das elektrische Autofahren praktisch frei von Energiekosten. Weil wenn wir umsonst Elektroauto fahren, sind da grad in 'ner, in 'ner wahnsinnig, äh, kritischen Phase, aber wir haben ja Zeit, darüber zu sprechen. Ich bin nebenher noch in anderen, äh, Unternehmen engagiert, nicht in dem Maße. Hab grad 'n Unternehmen gegründet, wo ich 'n, äh, eigenen Elektrotraktor baue, noch 'n bisschen Motorrad, äh, bin auch noch, äh, ja, an der einen oder anderen Stelle beratend tätig.

00:03:26: ,400 [Gerd Stegmaier] Mhm. Sehr schön. Das war, glaub ich-

00:03:29: ,810 [Herbert Diess] Durchgehend, also Sie haben noch gesagt, was ist die Mission. Durchgehend ist es schon so, dass sich das alles rund um das Thema Elektrifizierung, Klima, Mobilität, äh, das ist die gemeinsame Schnittmenge, ne? Also in jedem, wir, wir launchen hier 'n Produkt, äh, grade 'ne bidirektionale Wallbox, äh, von Mobility House, die ist voller Infineon.

00:03:52: ,840 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:03:52: ,560 [Herbert Diess] Die haben da innen drin sehr viel Infineon, ne? Das, das, äh, das Fahrzeug, das ich baue, hat sicherlich Leistungshalbleiter für die Ansteuerung der Motoren von Infineon. Ähm, also von daher zieht sich schon so 'n bisschen 'n Faden durch.

00:04:04: ,200 [Gerd Stegmaier] Ja. Auf LinkedIn ist der Claim "On a mission to shape new mobility and stop climate change".

00:04:11: ,880 [Herbert Diess] Ja.

00:04:11: ,700 [Gerd Stegmaier] Ähm, seit wann war Ihnen jetzt klar, Sie sind ja auch mit Verbrennern sozialisiert-

00:04:16: ,430 [Herbert Diess] Ja, sehr sogar. [lacht]

00:04:18: ,860 [Gerd Stegmaier] dass die E-Mobilität die Zukunft ist?

00:04:20: ,260 [Herbert Diess] Ah, das ist 'ne gute Frage. Da, ich bin's schon oft gefragt worden, aber was meine, meine Antwort ist immer: Äh, also ich war früh in Kontakt mit, mit Elon Musk, weil der, ja, Verstär, Verstär, Verstärkung suchte, als er noch sein Roadster gebaut hat. Äh, und das Thema E-Mobilität ist, kam so in die Welt irgendwo, ne. Die ersten Elektroautos, äh, das war noch sehr früh. Aber ab wann hab ich da dran geglaubt? Ich hab dann mal in den frühen 2000ern, äh, da in, äh, an 'nem Flughafen in den USA – ich glaub, so Chicago oder so – hab ich so 'n Modellhubschrauber gekauft. Die waren da zu verkaufen, kostets, glaub zwanzig Dollar oder so was.

00:04:58: ,000 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:04:59: ,840 [Herbert Diess] Und es war erstaunlich, wie gut die, die Dinger da flogen und ich hab den nach Hause gebracht und mei, meinem Sohn damals mitgebracht. Und dann haben wir den Modellhubschrauber fliegen lassen, da im Wohnzimmer und der flog

00:05:11: ,320 [Herbert Diess] zehn Minuten oder so, ne.

00:05:12: ,510 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:05:12: ,180 [Herbert Diess] Und dann haben wir den irgendwie gelandet oder gecrasht und dann zerlegt. Und dann haben wir da drinnen 'ne Batterie gefunden, die war so groß, ja?

00:05:19: ,060 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:05:20: ,760 [Herbert Diess] Und da war mir klar: Mein Gott, wenn du so 'n Hubschrauber ... Ein Hubschrauber ist die ineffizienteste Maschine, die Sie sich vorstellen können, ne? Also mehr, mehr Benzin pro Kilometer können Sie nicht verbrauchen wie so 'n Hubschrauber. [lacht] Und, äh, wenn Sie so 'n Hubschrauber, äh, lange Zeit – und das können Sie ja heute über 'ne halbe Stunde, diese Modellhubschrauber – in der Luft halten, dann geht Autofahren sicher.

00:05:42: ,039 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:05:43: ,500 [Herbert Diess] Ja? Dann geht Autofahren sicher. Und damit, dann hab ich mich so 'n bisschen befasst und dann war ja auch schon klar, nachdem die ersten Teslas da fuhren, dass das geht, ja.

00:05:51: ,300 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:05:52: ,231 [Herbert Diess] Dass es so gut geht, äh, konnte man damals vielleicht noch nicht absehen, weil man konnte sich damals nicht vorstellen, dass man mit tausend KW laden kann, ja, dass man in In acht Minuten so 'n Auto vollladen kann, dass es so 'ne Ladeinfrastruktur gibt, dass die Batterien auch immer leistungsfähiger, immer günstiger werden. Das war noch nicht absehbar. Aber dass es geht, war, würd ich sagen, in den frühen Zweitausendern war das für den, der sich für Technik interessiert hat, klar.

00:06:16: ,972 [Gerd Stegmaier] Mhm. Und Ihre persönliche Motivation, war das wirklich so, wie es jetzt auch bei LinkedIn steht, Klimawandel? Oder haben Sie das eher technisch gesehen?

00:06:24: ,992 [Herbert Diess] Natürlich. Ich, ich mein, ich hab drei Kinder und fühl mich verantwortlich und natürlich ist das, man spürt das, ne. Ich glaub, wir haben da einfach 'ne Aufgabe, äh, zu erledigen, die auch, äh, erledigbar ist, aber das Auto alleine macht das ja nicht, ne. Man kann das nicht auch in Deutschland alleine kann man das nicht. Nee, das war von Anfang an eigentlich, äh, und es gilt für die gesamte Automobilindustrie, Regulierung. Ja? Aber die Regulierung war einfach so, dass man ab

00:06:50: ,012 [Herbert Diess] 2015 beginnend,

00:06:54: ,292 [Herbert Diess] äh, im Prinzip die Flottenziele, die gesetzt wurden, nicht mehr mit Verbrennern erreichen konnte, ne. Hundert Gramm, 'n Verbrenner auch mit 'ner, mit 'ner leichten Hybridisierung kann nicht weniger als hundert, hundert Gramm. Wenn Sie zwei, vier Personen transportieren wollen, wenn Sie auf 'ner Autobahn fahren wollen, ist fast unmöglich, ne. Sie können auf, auf neunzig Gramm kommen, dann sind Sie bei 'nem, äh, ja, bei 'nem sehr kompakten Kleinwagen, ähm, ja, unterhalb dem Polo angesiedelt, dann kann man das noch hinkriegen mit dem Verbrenner, aber da drunter geht nicht. Also wenn Sie im, im Flottenziel unter hundert Gramm wollen, aber trotzdem noch große Autos verkaufen wollen oder müssen, weil Sie ja natürlich auch das Unternehmen am Leben halten wollen, dann ist es Gebot der Stunde, Elektroautos zu machen, weil dann die Mischung aus Elektroautos und den Verbrennern, den großen Verbrennern, ist der effizienteste Weg für 'n Unternehmen, die Flottenziele zu erreichen.

00:07:48: ,832 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:07:48: ,772 [Herbert Diess] Ne? Und das war, ich sag mal, die, die Hauptmotivation. Wenn die, wenn das gilt als gesetzliche Rahmenbedingungen, dann müssen Sie natürlich schauen, dass die Elektrofahrzeuge dann auch attraktiv sind, dass die gekauft werden, dass sie kostenmäßig wettbewerbsfähig sind. Das war die große Hürde. Und dann müssen Sie auch vermarkten, deswegen müssen Sie auch hinter der Elektromobilität stehen.

00:08:08: ,532 [Herbert Diess] Also das war schon, also Elektroautos wären nicht entstanden ohne Regulierung.

00:08:12: ,812 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:08:12: ,052 [Herbert Diess] Auch Tesla nicht. Tesla hat ja über fast 'n Jahrzehnt, äh, äh, Milliarden im Prinzip verdient am Verkauf der Zertifikate.

00:08:21: ,252 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:08:21: ,352 [Herbert Diess] Also am, am, die haben im Prinzip die Flottenziele für andere erfüllt und davon gelebt. Also ohne die Regulierung hätte sich das Elektrofahrzeug nicht durchgesetzt. Äh, a-und das war auch der Haupttreiber damit. Natürlich ist damit schon auch einhergegangen, dass man gemerkt hat, Mensch, wow, das macht ja auch Spaß. Ja, also es fährt schön, es fährt leise, fährt völlig emissionsfrei in der Stadt, ne, was ja immer auch, äh, schon so 'n, so 'n Kriterium war am Auto. Äh, also es ist schon auch 'ne schöne Lösung, wahrscheinlich die schönere Lösung.

00:08:52: ,672 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:08:52: ,052 [Herbert Diess] Ja, auch ich verkauf deswegen auch jetzt meine, meine Verbrenner. [lacht]

00:08:57: ,232 [Gerd Stegmaier] Ja, wir sprachen vorher schon kurz. Äh, wollen Sie es teilen, äh, welches Auto Sie jetzt verkaufen?

00:09:03: ,612 [Herbert Diess] Na gerne, ich hab noch, aber also auch so 'n, so 'n geliebtes Auto ist von mir. Ich hab, äh, so 'n 458er Ferrari. Ich wollt nie in meinem Leben Ferrari fahren, äh, aber ich hab den mal auf 'm Nürburgring Vergleichstest in die Hände bekommen, als der frisch rauskam und ich fuhr so gut mit dem Auto und so sicher, dass ich gesagt hab, ich muss das Auto haben, hab den seitdem und ist mittlerweile eben fast 'n Oldtimer und deswegen verkaufe ich ihn jetzt auch. Und ich hab ihn auch einfach nicht mehr genutzt. Und das Entscheidende war eigentlich, ich kam von 'ner Reise, äh, aus Italien zurück, erst vor Kurzem. Ich nutz ihn vielleicht fünfmal im Jahr oder so.

00:09:35: ,232 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:09:36: ,972 [Herbert Diess] Kam aus Italien zurück und ich hab den am Stadtrand geparkt und bin dann umgestiegen in meinem ID3, äh, und hab dann gesagt: „Wow, das ist 'n Auto." Ja, Sitzposition, es ist leise. Beschleunigt genauso gut, ja.

00:09:48: ,392 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:09:49: ,872 [Herbert Diess] Beschleunigt genauso gut kann ich nicht sagen.

00:09:50: ,751 [Gerd Stegmaier] Und mühelos.

00:09:51: ,632 [Herbert Diess] Und mühelos und es ist leise und du kannst Musik hören, kannst dich unterhalten da drin, äh, und fährt einfach [lacht] viel besser. Da hab ich gesagt, jetzt, äh, jetzt muss er raus. Ja.

00:10:01: ,812 [Gerd Stegmaier] Okay, also das ist 'ne schöne Zeile. Ferrari, VW ID3 fährt besser als Ferrari. Ähm, es gibt ja jetzt-

00:10:08: ,932 [Herbert Diess] Ja, besser kann man nicht sagen, aber er fährt viel komfortabler, ne, und, und, äh, und wenn man Strecken zurückle, äh, zurücklegen muss, ist er... Wobei man muss sagen, der Ferrari kann eigentlich auch Langstrecken ganz gut, ne, für so 'n Sportwagen.

00:10:20: ,672 [Gerd Stegmaier] Ja. Ähm, jetzt haben Sie's selber schon formuliert, wie Sie, wo eigentlich die Vorteile sind und wo die Affinität auch zum Elektroauto selbst bei Menschen, die anders sozialisiert sind, herkommt. Welche Hindernisse nehmen Sie denn noch wahr für die massenhafte Verbreitung von Elektroautos?

00:10:38: ,132 [Herbert Diess] lacht] Ist ein weites Feld.

00:10:40: ,331 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:10:40: ,592 [Herbert Diess] Äh, das ist vor allem aus meiner Sicht noch Ideologie. Ne, also erst mal ist es natürlich auch Wandel, der man muss sich drauf einlassen, ne. Ich kenn kaum Leute, die zurückgehen vom Elektroauto, ne. Fast, äh, es gibt welche. Also ich hab mal gedacht, es gibt gar keine, es gibt ganz wenige.

00:10:56: ,972 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:10:56: ,152 [Herbert Diess] Also wer da mal drin ist, kommt nicht mehr raus. Aber es gibt natürlich immer noch Vorbehalte und das muss man natürlich sagen, dass diese Vorbehalte natürlich auch gepflegt geschürt werden, weil, äh, und das ist, was man vielleicht am Anfang auch unterschätzt hat, dass, äh, diese Elektromobilität natürlich 'ne große Bedrohung ist für Deutschland, ne. Weil Deutschland ist natürlich groß geworden mit dem Verbrenner, hat seine weltweite Position mit dem Verbrenner erarbeitet. Ich mein Gottlieb Daimler, Carl Benz, äh, Rudolf Diesel, ähm, äh, Bosch, äh, waren die Elon Musks von vor hundertfünfzig und hundert Jahren, ne. Und, äh, und Deutschland hat's geschafft, diese Technik so zu kultivieren, dass sie hundert Jahre getragen hat und dann letztlich in der Premium-, äh, Autoindustrie war Deutschland dadurch dominant. Nicht nur dadurch, aber, aber auch dadurch. Und man muss einfach sagen, dass Elektromobilität natürlich für diese Unternehmen und insbesondere für Zulieferindustrie, die insbesondere dann Getriebe macht, Bosch, Dieseleinspritzung oder so, ist das schon 'ne große Bedrohung. Da gehen viele Arbeitsplätze verloren und deswegen, glaub ich, muss man verstehen und das, das sind ja nicht nur diese Einzelunternehmen. Deswegen, glaub ich, muss man verstehen Dass auch da, dass es da Widerstand gibt, der auch geschürt wird, der auch gepflegt wird, ne. Weil für viele Unternehmen ist es natürlich so, dass je langsam dieser Wandel stattfindet, desto besser ist es.

00:12:20: ,852 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:12:20: ,572 [Herbert Diess] Und das sind viele Unternehmen, da hängen viele Arbeitsplätze dran. Ich glaube, man muss dafür Verständnis haben, ne. Für so 'n Getriebehersteller ist es einfach erst mal das Aus, weil, äh, 'n Elektrofahrzeug hat kein Getriebe.

00:12:31: ,071 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:12:32: ,792 [Herbert Diess] Oder fast keins. [lacht]

00:12:33: ,411 [Gerd Stegmaier] Meistens haben sie nur Eingang.

00:12:35: ,232 [Herbert Diess] Ja, ein Differential haben sie, ne. Es gibt schon 'n paar Zahnräder drin auch, aber halt kein Vergleich zu so 'nem acht HP Automatikgetriebe.

00:12:43: ,322 [Gerd Stegmaier] Das ist jetzt industrieseitig natürlich schon verständlich, wo der Widerstand-

00:12:47: ,032 [Herbert Diess] Ja, aber das ist nicht nur Industrie, sondern das ist ja, da hängen Arbeitsplätze dran, Schichthalle dran, ne. Und das, es gibt für viele Leute gute Gründe, das Elektroauto nicht zu promoten.

00:12:56: ,772 [Gerd Stegmaier] Ja, verstehe.

00:12:56: ,532 [Herbert Diess] Und das darf man denen auch nicht übel nehmen. [lacht]

00:12:58: ,162 [Gerd Stegmaier] Nee. Ähm, und wenn Sie jetzt sich in die Autofahrer hineinversetzen, würden Sie sagen, ähm, gibt's heut überhaupt noch Gründe oder Nachteile, die einen vom Elektroauto abhalten würden?

00:13:10: ,872 [Herbert Diess] Ja, natürlich gibt's die immer noch, ne. Wenn Sie, wenn Sie, was weiß ich, jeden Tag Deutschland, Hamburg fahren oder so, dann ist es immer noch, verlieren Sie viel Zeit beim Laden da. Ne, also es gibt immer noch sicherlich den einen oder anderen Anwendungsfall. Äh, ich empfind's nicht so. Ich fahr so ganz lange Strecken nicht. Ich fahr häufig nach Italien oder Österreich, da ist es gut. Das Ladenetzwerk ist jetzt gut. Äh, ich mach auch gern – und die Pausen sind ja kurz, ne. Mein, mein ID.3 lädt mit hundertachtzig, aber es gibt ja Autos, die mittlerweile mit dreihundertfünfzig, vierhundert, jetzt kommt tausendzweihundert, [lacht] äh, äh, Kilowatt, äh, also mehr als 'n Megawatt laden. Äh, das ist ja schneller wie Tanken. Ja, also und da ist es dann, also diese, da wird dann auch, äh, macht's dann auf einmal auch keinen Sinn mehr, dann mit 'nem Simmotor von München nach Hamburg zu fahren.

00:13:57: ,372 [Gerd Stegmaier] Mhm. Das heißt, ähm, Reichweitenangst per se ist jetzt nur noch für 'n kleineren Prozentsatz der Leute 'n Thema.

00:14:05: ,312 [Herbert Diess] Ja, ich sag mal, ein emotionales Thema ist vielleicht immer noch da, ne. Weil man sagt: "Mensch, vierhundert Kilometer, da komm ich ja nirgends hin", ne. Weil das ist, ich mein, das ist normal, die Restreichweite bei 'nem Verbrenner ist hundertzwanzig Kilometer oder so, ne. Und viele Kleinwagen haben dann nur zweihundertfünfzig. Aber man merkt, wenn man dann – und ich fahr lang Elektroauto und jetzt auch seit Neuestem meine Frau – ähm, die, das, das unbegründet ist, weil die Ladeinfrastruktur ist gut und man lädt ja häufig dann auch zu Hause oder bei Freunden. Also ich, äh, ich könnt mal, ich hab keine Gründe, warum ich zurückgehen sollte, ne. Außer den emotionalen da, ja, dieses, äh, und der, der 458er ist so also der, der höchstdrehende, also das ist ja, wir sind ja so 'n bisschen, äh, Motorpresse hier. Es war der höchstdrehende Sauger, V8-Sauger, den's jemals gab.

00:14:53: ,352 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:14:54: ,032 [Herbert Diess] Und es ist schon 'n Klang, der ist unglaublich.

00:14:58: ,802 [Gerd Stegmaier] Ja. Und Schalten?

00:14:58: ,872 [Herbert Diess] Und wir leben auch 'n bisschen.

00:14:59: ,772 [Gerd Stegmaier] Ja. Und Schalten, ist das auch 'n Thema?

00:15:01: ,812 [Herbert Diess] Nee, Schalten war für mich nie 'n Thema, weil die Automaten dann spätestens dann mit den acht HPs bei BMW oder auch den Doppelkupplern bei VW, äh, die Automaten einfach besser schalten als der Mensch, ne. Du bist mit dem Automaten schneller von null auf und überholst besser. Äh, früher wär's für mich 'n Kriterium war, war ich Handschalter-Fan, ja.

00:15:21: ,412 [Gerd Stegmaier] Okay.

00:15:22: ,572 [Herbert Diess] Aber nicht in der letzten Generation. [lacht]

00:15:24: ,872 [Gerd Stegmaier] Ähm, die Frage nach lieber viel Reichweite und lieber schnell nach, äh, nachladen, die haben Sie eigentlich schon beantwortet. Sie sagen: "Ich hab lieber 'ne bisschen kleinere Batterie und lade manchmal schneller."

00:15:36: ,592 [Herbert Diess] Ja, weil man muss schon sagen, überraschenderweise hat sich die Welt daran gewohnt, aber die Elektroautos sind natürlich schwer, ne. Wir hatten ja, wenn Sie dran denken, früher war Leichtbau, ne, wirklich so 'ne

00:15:47: ,132 [Herbert Diess] Königsdisziplin auch, ne, die Autos sportlich leicht zu machen. Und das haben wir natürlich verloren über diese immenschweren Batterien. Die Autos sind ja wirklich schwer, aber es scheint die Leute weniger zu stören, als ich geglaubt hab, ne. Aber natürlich wird so 'n Auto einfach besser und auch günstiger, wenn man nur die Hälfte der Batterie da drin hat. Und da gibt's auch Chancen. Wir kriegen die Feststoffbatterien, äh, vor allem das Schnellladen macht's dann auch nicht mehr erforderlich. Und für uns sind diese großen Batterien jetzt bei Mobility House eine große Chance, weil diese Batterien ja für die normale Nutzung viel zu groß sind.

00:16:22: ,342 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:16:22: ,012 [Herbert Diess] Ne, wir haben 'ne Batterie für vierhundert, vierhundertfünfzig, fünfhundert Kilometer heute im Auto und die Leute fahren aber nur dreißig, fünfunddreißig durchschnittlich am Tag. Das heißt, wir haben 'ne Batterie, die ist um neunzig Prozent zu groß und deswegen auch sehr wenig ausgelastet. Und das führt dazu, dass die Batterien viel besser halten, als wir das ursprünglich geglaubt haben, ja.

00:16:43: ,172 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:16:43: ,512 [Herbert Diess] Die Batterien halten praktisch,

00:16:46: ,251 [Herbert Diess] lacht] wir haben kaum Ausfälle und das erlaubt uns auch, diese Batterien dann für andere Anwendungen zu nutzen, nämlich den Strom von der Mittagssonne in die Abendsonne, äh, zu bringen, was für Mobility House das Geschäftsmodell ist.

00:17:00: ,672 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:17:00: ,752 [Herbert Diess] Äh, und, äh, und, und wir auch sehr sicher sind, dass wir die Batterie dadurch nicht schädigen, ne.

00:17:06: ,002 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:17:07: ,432 [Herbert Diess] Weil sie so unterausgelastet ist.

00:17:08: ,032 [Gerd Stegmaier] Sie haben's jetzt schon gesagt, zur Antriebswende gehört die Energiewende untrennbar dazu. Warum ist The Mobility House dafür das richtige Unternehmen aus Ihrer Sicht? Warum sind Sie gerade da?

00:17:19: ,872 [Herbert Diess] Nee, nee, ich, ich, also ich, boah, hätte natürlich auch andere Dinge, aber ich fand Mobility House, diese Idee, äh, mit dem, das Auto als Teil des Energienetzes zu sehen, die war schon vor zehn oder fünfzehn Jahren offensichtlich, ne, dass man diesen großen und durch die Anzahl der Autos bekommt man einfach 'n sehr großen Speicher, viel mehr als durch die Stationärspeicher und das, was es sonst an Speichermöglichkeiten gibt. Und es war schon klar, auch vor zehn Jahren, dass große, die große Herausforderung der Energiewende die Speicherung sein wird.

00:17:50: ,342 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:17:51: ,244 [Herbert Diess] Weil dass Solar funktioniert, weiß man seit zehn, fünfzehn Jahren. Äh, und deswegen ist diese Idee, das Auto als Stromspeicher zu nutzen im Energienetz und eben nicht das Auto als Last im Energienetz, sondern eigentlich zur Entlastung zu verwenden, äh, das find ich, ist schon, äh, 'ne geniale, ich will nicht sagen Idee, weil das ist ja nicht 'ne Idee, die jetzt hier entstanden ist, sondern das war eigentlich offensichtlich, dass das passiert, aber 'ne geniale Formel, ne. Weil das führt eben dazu, wenn wir das Auto als Energiespeicher nutzen, dass das Autofahren sehr kostengünstig wird, dass das Autofahren auch immer mit erneuerbarer Energie Geladen werden, ne, weil wir tanken dann, wenn, wenn die Sonne scheint. Es führt dazu, dass, äh, der Strompreis fällt, weil natürlich, je mehr von dem überschüssigen Solarstrom wir abschöpfen, desto mehr kann man produzieren. Und dieser Solar- und Windstrom ist halt die günstigste Energiequelle.

00:18:48: ,284 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:18:48: ,264 [Herbert Diess] Viel günstiger als Kohle heute, ne. Also Strom wird billiger dadurch. Und drittens, last but not least, auch der Netzausbau wird weniger, weil wir natürlich das Netz in den Kernzeiten entlasten, da die Autos ja verteilt sind im Land. Ab da, wo die großen Verbraucher sind, kriegen wir eigentlich einfach ein Land, das wahnsinnig viele Speicher hat, zu den Überschusszeiten den Strom lokal speichern und dann zu den Abendzeiten lokal abgeben und damit brauchen wir weniger Netzausbau.

00:19:16: ,444 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:19:16: ,034 [Herbert Diess] Deswegen ist diese Formel, ist, ähm, so genial für diese Energiewende, ne. Die macht das Autofahren besser, sie macht das Stromnetz günstiger, macht den Strom günstiger, macht die Kunden auch happier, weil sie nix mehr zahlen dafür. Die Formel fand ich so genial, ne. Jetzt muss man auch dazu sagen, das, das natürlich, das klingt alles sehr schön, aber ist auch sehr schwierig, ne. Weil Sie brauchen, äh, Bewilligung, dass Sie im Netz laden, entladen dürfen. Sie brauchen die Vorrichtungen. Das Auto muss auf einmal beide Richtungen können. Dann brauchen Sie 'ne Wallbox, die beides können muss, be- und entladen. Äh, Sie brauchen Unternehmen, die als neue Energieversorger auftreten und das bereit sind, das anzubieten. Ähm, Sie müssen dem Kunden das erklären, ne. Äh, der Kunde muss das Vertrauen haben, dass er damit seine Batterie nicht schädigt. Ist schon kompliziert, Sie brauchen Regulatorik, aber, äh, und deswegen hat's auch meiner Meinung nach so lang gedauert, aber ich bin jetzt sehr zuversichtlich. Wir sind jetzt, glaube ich, an so 'nem Tipping Point angelangt und jetzt sind alle OEMs einfach, äh, auch entschlossen, das zu bringen. Äh, und die Kunden werden davon, äh, ähm, sehr stark, äh,

00:20:25: ,484 [Herbert Diess] äh, profitieren. Und, äh, das war der Hauptgrund, warum ich mir, äh, das Mobility House ausgesucht hab für mein Engagement. Weil es gibt wahrscheinlich wenig Dinge, die so viel Nutzen stiften können, wenn es funktioniert wie das, aber, und auch wenige Dinge, die so kompliziert sind.

00:20:42: ,784 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:20:42: ,884 [Herbert Diess] Das war jetzt frech. [lacht]

00:20:43: ,984 [Gerd Stegmaier] Ja. Ähm, was sind aus-

00:20:45: ,264 [Herbert Diess] Und ich kann natürlich einen guten Beitrag leisten, weil ich kann mich sowohl in der, in der Energieindustrie ganz gut unterwegs und vernetzt und auch, äh, auch in der Autoindustrie natürlich auch.

00:20:55: ,864 [Gerd Stegmaier] Mhm. Ihre offizielle Funktion bei The Mobility House?

00:20:58: ,614 [Herbert Diess] Ich bin Verwaltungsratschef. Das ist ja ein Schweizer Unternehmen und das ist so was wie Aufsichtsratsvorsitzender bei uns.

00:21:05: ,684 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:21:05: ,364 [Herbert Diess] Also ähnlich wie bei Infineon mit 'n bisschen anderen Rechten und Pflichten. Hier bin ich 'n bisschen näher am Geschäft dran. Deswegen bin ich auch hier auf der Messe, äh, aber es ist so ähnlich, ja.

00:21:15: ,184 [Gerd Stegmaier] Mhm. Ähm, was ist Ihre Aufgabe ganz konkret? Was machen Sie jetzt den ganzen Tag für The Mobility House?

00:21:22: ,684 [Herbert Diess] Ja, wir haben natürlich, na, Mobility House, wir haben, äh, erst mal hat Mobility House auch 'ne lange Geschichte, ne. Die Idee ist vor 15 Jahren geboren.

00:21:29: ,734 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:21:29: ,084 [Herbert Diess] Man musste jetzt viele andere Dinge machen, weil das nicht so schnell, äh, äh, in die, in der Breite zu Geschäften führte. Man hat dann eben, äh, insbesondere Ladeinfrastruktur geplant verkauft, äh, Ladesteuerung, weil wenn Sie sich vorstellen, so 'n Unternehmen hat jetzt 100 Elektrofahrzeuge, die können Sie nicht gleichzeitig laden, weil sonst brauchen Sie riesige Anschlussleistungen. Das war unser Kernfall. Diesen Teil, das ist etwa die Hälfte von unserem Geschäft, haben wir verkauft jetzt, weil wir uns einfach, weil jetzt der Zeitpunkt ist, dass wir uns zu 100 % auf die Nutzung des Autos im Energienetz konzentrieren.

00:22:05: ,124 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:22:05: ,204 [Herbert Diess] Ne, und das, diesen Verkauf hab ich, äh, natürlich mit begleitet, die strategischen Entscheidungen. Ich bin jetzt hier auf der Messe, weil natürlich auch viele der, äh, OEMs hier vorbeigucken. Wir haben, äh, wir arbeiten ja nicht selbst im Markt, sondern machen diese Lösungen für Autohersteller. Äh, für, ähm, zwei sind bei uns investiert, Renault und, äh, Mercedes. Die kommen mit eigenen Lösungen, aber es werden auch viele andere kommen.

00:22:32: ,364 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:22:32: ,504 [Herbert Diess] Und da helf ich mit, die zu überzeugen, dass sie, äh, dass unseres, unsere Lösung die beste ist, dass unsere bidirektionale Wallbox die beste ist, äh, aber den Rest macht das Managementteam.

00:22:43: ,484 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:22:44: ,903 [Herbert Diess] Ich helf 'n bisschen, Kontakt mit zu machen, helf bei der Finanzierung.

00:22:47: ,704 [Gerd Stegmaier] Das konkrete Produkt von The Mobility House in dem Umfeld ist dann die Software, die Hardware oder beides?

00:22:53: ,404 [Herbert Diess] Ja, wir haben eigentlich 'ne, also wir können die komplette Lösung anbieten von, ähm, Hardware, diese bidirektionale Box, die dann eben auch, äh, mit dem, mit der Autorisierung im Backend des, äh, Autoherstellers, äh, im Prinzip verwendbar ist für Be- und, äh, Entladen. Wir sind Stromhändler.

00:23:16: ,424 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:23:16: ,144 [Herbert Diess] Wir kaufen also dem Auto dann den Strom ab oder verkaufen ins Auto rein. Das heißt, wir, wir können den Energievertrag anbieten und wir machen den Stromhandel, ne. In der Summe der Autos entsteht 'n Riesenspeicher.

00:23:29: ,604 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:23:29: ,043 [Herbert Diess] Und diesen Riesenspeicher handeln wir an der Strombörse in Leipzig.

00:23:34: ,144 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:23:34: ,754 [Herbert Diess] Mit verschiedenen Derivaten, die's da gibt. Da gibt's Day ahead, Intraday, man kann ja den Speicher sehr kurzfristig entleeren. Wir nehmen immer nur 'n kleinen, wir schöpfen immer nur kleine Mengen von jedem Auto ab, ne.

00:23:45: ,764 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:23:45: ,004 [Herbert Diess] So maximal zehn kW be- und entladen wir die Autos. Äh, und auch natürlich nie ganz leer, nie ganz voll. Aber in der Summe der Speicher gibt's dann 'n staatlichen, erstaunlich, äh, hohe Speicherkapazität, die wir dann an der Börse vermarkten in verschiedenen strukturierten, äh, äh, Handels, äh, ja, das kann nicht jeder. Vor allem die Aggregation der Autos und dann das Handeln, das haben wir ja gelernt, da wir in den letzten Jahren sehr viel Stationärspeicher vermarktet haben. Tun wir immer noch.

00:24:14: ,604 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:24:14: ,262 [Herbert Diess] Aber diese Fähigkeit nutzen wir, sodass wir dem, unserem Kunden, das ist typischerweise 'n Autohersteller, anbieten können- Wir können von der App, die der Kunde, äh, braucht, äh, bis zum Trading, bis zur Hardware, bis zur Software von der Wallbox in das Auto rein, können wir die ganze Kette darstellen.

00:24:33: ,012 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:24:34: ,292 [Herbert Diess] Und dem Kunden obliegt es dann zu sagen: "Ich nehm diesen Baustein, diesen Baustein, alles, äh, und, äh, aber ich will die App selber machen", ne, oder: "Ich will die Kundenschnittstelle selber machen." Das entscheidet der Kunde da.

00:24:47: ,972 [Gerd Stegmaier] Der Kunde ist dann auch 'n Privatmann oder ist das-

00:24:50: ,432 [Herbert Diess] Ja, heute ist es, heute sind es, heute sind es, äh, im Wesentlichen die Kunden der Autohersteller, ne. Die Autohersteller machen das. Wir haben aber auch in der Pipeline jetzt Energieunternehmen-

00:25:01: ,602 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:25:01: ,512 [Herbert Diess] die diese Leistungen von uns, äh, haben wollen. Äh, und letztlich ist es natürlich auch denkbar, dass wir mal privat an den Markt gehen mit so 'nem Produkt.

00:25:10: ,872 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:25:10: ,191 [Herbert Diess] Aber das's natürlich 'ne große Entscheidung, weil dann muss man, das's 'n ganz anderes Geschäft, ne, B2C, da müssen Sie Marketing machen. Äh, aber es ist durchaus denkbar, weil ich sag mal, diese, die Frage: "Wer liefert die Energie ins Auto?", ist schon offen noch.

00:25:26: ,571 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:25:26: ,822 [Herbert Diess] Da gibt's die Autohersteller, die da Versuche machen, da das zu tun. Es gibt die Energieerzeuger in, in Deutschland, äh, oder auch weltweit, die das eigentlich beanspruchen, ne, sagen: "Ich mach Haus und ich mach Auto." Es gibt so 'ne neue Kategorie von Unternehmen wie jetzt die Enpals, die aus der Solartechnik kommen-

00:25:45: ,972 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:25:45: ,172 [Herbert Diess] oder 1,5 Grad, die Heimspeicher, Solaranlage, Wärmepumpe und sagen: "Ja, ich mach den Energievertrag mit und mach das Auto mit."

00:25:54: ,632 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:25:54: ,992 [Herbert Diess] Äh, gibt natürlich in England, ähm, dann insbesondere, äh, die,

00:26:01: ,752 [Herbert Diess] äh, Octopus als Unternehmen, als neues Energieunternehmen. Also dieser, diese Frage: Wer, äh, ist das neue Unter-, En-Energieunternehmen, das Auto und Haus beliefert, dis-disputed, die ist offen, ja.

00:26:13: ,442 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:26:14: ,992 [Herbert Diess] Äh, und das kann der OEM sein, ja, der Autohersteller. Äh, das kann, äh, der Utility sein, also der Energieerzeuger. Es kann auch 'n dritter sein. Es könnte auch Mobility House sein.

00:26:24: ,452 [Gerd Stegmaier] Mhm. [lacht] Wer sind die Konkurrenten, die Marktmitgestalter von Mobility House?

00:26:29: ,012 [Herbert Diess] Ja, hab ich schon angesprochen. Nein, sind in dieser neuen Welt eher die, ähm, Octopus, ähm-

00:26:36: ,992 [Gerd Stegmaier] 1,5 Grad

00:26:37: ,212 [Herbert Diess] ... 1,5 Grad, die Deutschen. Wir haben die Nase vorn bei der Integration des Autos, ja.

00:26:42: ,332 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:26:42: ,352 [Herbert Diess] Die haben vielleicht die Nase vorn bei dem Thema Home, aber da werden wir jetzt, äh, in Kürze auch, ähm, 'n sehr attraktives Angebot haben. Wir arbeiten auch hier mit 'nem Unternehmen zusammen, die ganzen Hauseinrichtungen, also die Wärmepumpe, den Heimspeicher, die Solaranlagen gut zu integrieren. Und dann kommen wir mit 'nem Produkt auch erst mal über die OEMs, also erst mal über die unsere Kunden, äh, die dann die, äh, im Prinzip den Kunden anbieten können, Energievertrag für Auto und Haus, ein Energievertrag zu unglaublich günstigen Kosten-

00:27:16: ,592 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:27:16: ,792 [Herbert Diess] weil wir den Speicher nutzen, äh, vielleicht sogar zu zero zero. Also wir wissen, dass wir im Prinzip 'n Eigenheim, das durchschnittlich installiert ist mit vielleicht fünfzehn kW Peak Solar und vielleicht zehn kW Speicher plus 'n Elektroauto mit rund fünfzig, äh, Kilowattstunden, äh, äh, Energiespeicher, äh, sind wir sehr sicher, dass wir praktisch freistellen können von Energiekosten-

00:27:42: ,162 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:27:43: ,702 [Herbert Diess] wenn wir, äh, Zugriff auf die Speicher haben.

00:27:46: ,792 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:27:46: ,152 [Herbert Diess] Und das, glaub ich, wird schon 'n sehr attraktives Angebot, wenn Sie Haus heizen, kühlen und Auto fahren umsonst können für 'ne kleine, äh, Einmalinvestition und für die Nutzung Ihrer Speicher. Äh, und wir glauben, das ist ein sehr attraktives Angebot.

00:28:01: ,712 [Gerd Stegmaier] Mhm. Da sind wir jetzt schon viel mehr bei dem ökonomischen Nutzen der neuen Technologien. Ähm, ich hab so in der Vergangenheit oft wahrgenommen, man ist vielleicht sogar besser dran, wenn man das in Vordergrund stellt und nicht mehr so viel vom Klimawandel spricht.

00:28:16: ,232 [Herbert Diess] Das seh ich auch so, ja. Das seh ich auch so. Hab ich auch noch nie. Also ich hab auch immer ... Wenn, das Elektroauto ist ja schon, ja, ein halbes Jahrzehnt günstiger als der Verbrenner, ne.

00:28:26: ,652 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:28:26: ,932 [Herbert Diess] Ja, wenn Sie die, die Betriebskosten rechnen, ne. Und von daher, das, das, da gibt's immer noch viel, also so 'n, so 'n ID.4 ist einfach im Unterhalt um, um fünfundzwanzig, dreißig Prozent im Gesamtkosten günstiger als 'n Tiguan, ne. Das ist schon seit fünf, sechs Jahren, aber es wurde nie so in den Vordergrund gestellt.

00:28:44: ,192 [Gerd Stegmaier] Mag das da dran liegen, dass nach wie vor viele glauben oder zumindest der, der reale Wertverlust und Prognosen für Elektroautos immer noch höher sind?

00:28:54: ,832 [Herbert Diess] Da gibt's natürlich auch ganz unterschiedliche Daten. Ich mein, es war ja schon in den, in den ersten fünf, sechs Jahren der Elektrifizierung hatte das Auto mit dem höchsten Werterhalt in den Klassen so Premiumautos war der Tesla.

00:29:07: ,052 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:29:08: ,952 [Herbert Diess] Also Tesla Model S hatte die stabilsten, äh, Preise. Äh, und es ist natürlich immer dann auch abhängig von den politischen Aktionen. Da gibt's Förderprogramme, ja. Das pusht dann den Markt, äh, reduziert natürlich die Wiederverkaufswerte. Äh, das ist sehr, sehr stark 'n politisches Argument. Per se, äh, gibt's kein Grund, warum nicht die Elektroautos die wertstabileren Autos sein sollen.

00:29:33: ,031 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:29:34: ,072 [Herbert Diess] Die Batterien halten länger wie die Autos, ja. Die Reparaturkosten sind geringer, die Unterhaltskosten sind geringer.

00:29:40: ,532 [Gerd Stegmaier] Die Wartungskosten, ja.

00:29:41: ,102 [Herbert Diess] Also es, äh, tendenziell müsste, also die rationale Antwort ist, eigentlich müssen die, die Elektroautos die werthaltigeren sein. Das ist natürlich in so 'ner ersten Phase der Elektrifizierung auch überlagert dadurch, dass Sehr schnell neue Technologien kommen, ne, mehr Reichweite in die Batterie, andere Batterien. Das merkt man, glaube ich, vor allem in China, wo die Autos auch eine kurze Lebenszeit haben. Das wird noch 'n, 'n, 'n, ich glaube, ein böses Erwachen für viele Chinesen sein, die eben da in dem Ökosystem arbeiten, wo die Autos dann nur zwei Jahre im Markt sind, drei Jahre, dann kommen neue, ist dann neue Batterie, neu. Ähm, das, äh, wird für viele Kunden noch, oder auch dann dieser Preisverfall in China, ne-

00:30:21: ,112 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:30:21: ,492 [Herbert Diess] dass, dass praktisch alle jedes Quartal die Preise gesenkt werden von dem BYD. Das ist natürlich fatal für den Kunden, der, der, der mit zugucken muss, wie sein Geld sich verschwindet im Gully. Ja.

00:30:33: ,072 [Gerd Stegmaier] Am Ende werden die womöglich auch irgendwann solche Haltedauern haben, wie wir-

00:30:37: ,571 [Herbert Diess] Ja, ich glaube das auch. Das müssen die erst noch lernen, weil der Kunde, der natürlich jetzt so ein Auto kauft, ne, und dann merkt, Mensch, in drei Jahren gibt's das nicht mehr, gibt keine Ersatzteile mehr dafür und schon wieder was Neues, weil der größte Kostenfaktor an jedem Auto ist immer der, der Restwert, ne. Und deswegen macht's immer noch sehr viel Sinn, VW zu kaufen, [lacht] weil die Restwerte einfach hoch sind.

00:30:58: ,972 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:30:58: ,432 [Herbert Diess] Können Sie wieder verkaufen.

00:31:00: ,451 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:31:00: ,292 [Herbert Diess] Und das wird für viele dieser Erstkäufer da, die Chinesen gekauft haben, wird auch noch ein böses Erwachen sein.

00:31:05: ,852 [Gerd Stegmaier] Mhm. Ähm ...

00:31:06: ,032 [Herbert Diess] Also dieser Erstkaufpreis ist nicht das Kriterium, ne. Deswegen ist auch ein VW häufig das günstigere Auto als viele-

00:31:14: ,932 [Gerd Stegmaier] Am Ende des Tages, wie viel Geld wirklich aus dem Geldbeutel fließt.

00:31:17: ,732 [Herbert Diess] Ja.

00:31:18: ,522 [Gerd Stegmaier] Ähm, wir haben jetzt gerade schon gestreift so ein bisschen. Also einerseits China, andererseits die Schwierigkeiten der Industrie bei der Transformation. Ähm, wir hatten kürzlich mal bei Best Cars fünf, äh, CEOs-

00:31:31: ,652 [Herbert Diess] War ich. Ach so. [lacht]

00:31:32: ,072 [Gerd Stegmaier] von, äh, deutschen Automobilunternehmen auf 'ner Bühne und wir haben die alle auch befragt, ähm, zum Standard Deutschland und was die Unternehmen tun jetzt, um der sich anbahnenden Krise zu begegnen und was sie sich von der Politik erwarten würden. Was glauben Sie, wäre der richtige Weg für einen deutschen Autohersteller und, ähm, ja, hinsichtlich der Antriebswende, was sollten die tun?

00:32:01: ,372 [Herbert Diess] Ja, ich mein, ich hab mich da oft genug artikuliert, ne. Wie Deutschland hatte für dieses Thema Premium Autos,

00:32:09: ,332 [Herbert Diess] also Porsche, Audi, BMW, Mercedes,

00:32:16: ,692 [Herbert Diess] fast 'n Weltmonopol in den letzten dreißig, vierzig Jahren. Ja. Wie ist das entstanden? Äh, das ist dadurch entstanden, dass man auf sehr kleinem Raum extrem intensiven Wettbewerb hatte, ne, zweihundert Kilometer und sich gegenseitig die Leute abgeworben hat, den besten Designer, den besten Motorentwickler. Äh, man hat die Autos haben sich ja dann auch im direkten Vergleich, auch durch Automotor und Sport, äh, hat, hat sich natürlich dieses, das, das Leistungsniveau, äh, sehr stark entwickelt, nivelliert in den Vergleichstests. Wir haben dieses Ökosystem deutsche Autobahn gehabt, das natürlich dazu führt, dass die Autos auch 'ner Erprobung standhalten mussten, die anders ist als in anderen Ländern, ne. Die Belastung auf der deutschen Autobahn ist schon anders als in China bei hundertdreißig, ne. Da müssen Sie, die Bremsen haben andere Anforderungen, die Hochgeschwindigkeitsfähigkeit, äh, die, die, das, die Fahrwerksfunktionen. Und last but not least, aber am wichtigsten ist, wir haben dieses Thema Dienstwagenprivileg in Deutschland, ne, dass Dienstwagen eben, äh, sehr viel günstiger besteuert werden, was dazu führt, dass diese Unternehmen auch sehr hohe Marktanteile in Deutschland haben. Wir haben in Deutschland dreißig Prozent Premiumanteil.

00:33:30: ,692 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:33:31: ,512 [Herbert Diess] In Frankreich ist es vier Prozent oder fünf Prozent. Ja, in UK ist ein bisschen höher, sechs, sieben Prozent. In, in den USA ist auch in der Größenordnung sechs Prozent, in China ist ein bisschen höher, sieben Prozent. Aber wir haben dreimal so viel, viermal so viel, äh, äh, Markt in dem, der ist geschaffen durch das Dienstwagenprivileg. Und das hat dazu, also großer Markt, Heimatmarkt, starker Heimatmarkt, großer Wettbewerb, politische Rahmenbedingungen, die dieses, äh, Ökosystem auch schützen, ja, hat dazu geführt, dass diese, äh, und natürlich, äh, hatte ich vergessen, auch 'ne sehr leistungsfähige Zulieferindustrie, die neueste Technologie für Motoren, für Bremsen, für Lenkungen zur Verfügung gestellt hat, die auch in Deutschland beheimatet war, hat ein Ökosystem geschaffen, das fast nicht schlagbar war.

00:34:18: ,812 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:34:18: ,932 [Herbert Diess] Ja?

00:34:20: ,311 [Herbert Diess] So was muss man tun, um, um das in der neuen Welt auch zu haben. Ja. Das Gleiche eigentlich, ne. Man bräuchte die besten Batteriehersteller der Welt hier. Man bräuchte die schnellste Ladeinfrastruktur, am schnellsten Laden hier. Äh, man braucht Unternehmen, die hohe Absatzzahlen mit den neuen elektrischen Autos haben. Ja? Und man braucht 'ne gewisse steuerliche Förderung. Haben wir, zugegeben, ja. Äh, aber da sind natürlich 'n paar Dinge uns jetzt durch die Lappen gegangen, ne. Wir haben geglaubt, wir können das vielleicht so als, als Exportnation so ein bisschen, weil selber müssten wir nicht elektrisch fahren, ja, das wir exportieren das Zeug lieber. Äh, und das war die falsche Haltung.

00:34:59: ,672 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:34:59: ,032 [Herbert Diess] Das war die falsche. Und da haben wir sicherlich was verloren, weil natürlich das Ökosystem jetzt für diese Autos ist China. Ja. Und, äh, es sind dort die leistungsfähigsten Batteriehersteller, ähm, sehr leistungsfähige Ladeinfrastruktur, Laden wird sehr viel schneller dort. Da, da haben wir 'ne Chance verpasst. Dennoch würde ich sagen, es ist immer noch offen, aber die letzte Generation der deutschen Autos finde ich, ist sehr gut geworden, ne. Wir haben auch VW hat bei den Elektrofahrzeugen keinen niedrigeren Marktanteil als bei Verbrennern, ne. Ist eher sogar höher, ne, dreißig Prozent. Das heißt, da ist jetzt noch nix wirklich verloren, aber um so 'n nachhaltigen Wettbewerbsvorteil zu schaffen, müssten wir mehr tun, ne. Wir bräuchten das schnellste Ladenetzwerk, wir bräuchten den höchsten Anteil an Elektrofahrzeugen, zumindest hier in Europa.

00:35:44: ,872 [Herbert Diess] Äh, und da wär schon noch politisch was zu tun und auch von den Unternehmen. Weil letztlich geht's schon, schon um 'nen Wettbewerb der Ökosysteme, ja. Und es war ein Ökosystem, das erfolgreich war. Es war nicht BMW alleine oder dann. Also das Ökosystem und, äh, große Teile des Ökosystems sind jetzt in China. Deswegen kann man den deutschen Unternehmen auch nur empfehlen, in China wettbewerbsfähig zu bleiben. Wer da raus ist aus dem Rennen, wird's langfristig schwer haben, ne. Die Skalen sind natürlich in China.

00:36:13: ,112 [Gerd Stegmaier] Mhm. Und Sie haben jetzt schon von den Rahmenbedingungen gesprochen. Ähm, was müsste aus Ihrer Sicht die Politik tun?

00:36:21: ,822 [Herbert Diess] Ja, ich hab's schon angesprochen, ne. Also klarer Fokus, Förderung, äh, jetzt insbesondere, äh, mir ist immer noch unverständlich, warum wir dieses Thema V2G, also Nutzung des Elektrofahrzeugs im Ökosystem, das ist was, was die Chinesen noch nicht können, ja.

00:36:36: ,422 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:36:37: ,032 [Herbert Diess] Warum wir das nicht stärker in den Vordergrund schreiben. Es ist 'n komplexes Thema, da tun sich die Chinesen schwer. Es ist 'n regulatorisches Thema, da kann man sich

00:36:46: ,881 [Herbert Diess] Schutz, äh, räume bauen, ne. Also solche Dinge voranzutreiben, ähm, das wär aus meiner Sicht, äh,

00:36:53: ,162 [Herbert Diess] 'n, 'n gutes, äh,

00:36:56: ,652 [Herbert Diess] äh,

00:36:56: ,902 [Gerd Stegmaier] Feld

00:36:56: ,722 [Herbert Diess] ... gutes Thema, gutes Feld, ne, für so 'ne, auch für 'ne Wirtschaftsministerin, auch für 'ne Verbandspräsidentin, ja. Und da würd ich mir schon mehr Unterstützung vorstellen. Die, die, ähm, Energiepolitik hilft uns nicht momentan. Wir haben zwar jetzt diese Befreiung von der, von dem Thema zweimaliges, äh, Netzentgelt, aber das könnte man natürlich sehr viel stärker forcieren, ne.

00:37:20: ,722 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:37:20: ,511 [Herbert Diess] Und das wär 'n Thema, wo sich Deutschland als Ökosystem wieder differenzieren könnte, ne.

00:37:25: ,792 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:37:25: ,452 [Herbert Diess] Energiehersteller, Autohersteller, Netzwerke.

00:37:29: ,332 [Herbert Diess] Ah, da könnte man deutlich mehr tun. Die, die Energiepolitik führt eigentlich in 'ne ganz andere Richtung, ne. Wir werden eine Verteuerung der Netzentgelte haben durch den immensen Ausbau der Netze. Wir werden höhere Energiepreise haben durch mehr Gas, ja. [lacht] Das führt in die völlig falsche Richtung.

00:37:44: ,842 [Gerd Stegmaier] Ja. Ähm, Sie haben's ja schon angesprochen, eigentlich ist Grünstrom ja auch sehr ökonomisch, sehr sinnvoll, weil günstig.

00:37:50: ,742 [Herbert Diess] Ja, natürlich. Und das unterschätzen wir hier noch. Übrigens auch Trump, da macht er 'n großen Fehler, weil natürlich jetzt in, in, in China sind die Stromgestehungskosten jetzt da durch diese immensen, äh, Ausbau der, der Solar haben die noch Stromkosten von eineinhalb Cent. Das können Sie mit Kohle nie erreichen, ja.

00:38:08: ,792 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:38:08: ,472 [Herbert Diess] Ist unerreichbar mit Kohle, ne. Sobald das installiert ist, ist es, produziert es Strom praktisch for free.

00:38:14: ,812 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:38:14: ,772 [Herbert Diess] Und, äh, äh, das ist auch in Deutschland, auch, auch in der, der öffentlichen Wahrnehmung, auch in Deutschland können wir für dreieinhalb Cent mittlerweile, äh, äh, Solarstrom, äh, herstellen. Äh, und das ist, äh, einfach noch, noch nicht entdeckt, dass diese, dass diese neue Welt, ähm, nicht nur klimafreundlich ist, sondern sie ökonomisch einfach der viel bessere Weg ist, ne. Deswegen war China jetzt auch relativ gelassen mit der Straße von Hormuz, ne. Denn China hatte Peak Oil im letzten Jahr. China ist der größte, äh, Ölimporteur der Welt, ne, mit Abstand doppelt so viel wie, äh, äh, auch doppelt so viel Energieverbrauch wie die, wie die USA. Aber man hat gemerkt, es geht fast geräuschlos da in China, ne. Wir haben 'n bisschen Re-Reserven angezapft, aber in fünf Jahren ist China völlig unabhängig von Öl, ja.

00:39:04: ,152 [Gerd Stegmaier] Wenn die Kosten für Energie bei uns ohnehin schon niedrig sind, dann müssen wir doch eigentlich jetzt politisch-

00:39:10: ,632 [Herbert Diess] Mehr tun.

00:39:10: ,992 [Gerd Stegmaier] ... an den Preisen was tun, ne?

00:39:11: ,672 [Herbert Diess] Ja, aber es, Sie sagen's ja politisch, ne, wer macht die, die, die Regierungspolitik macht eher den Eindruck, dass sie die bestehenden Energieerzeuger und die bestehenden Verteilnetzbetreiber jetzt da schadlos halten will und es wird eigentlich zu we-- und, und dann mit Subventionen aus dem Steuerzahlerfonds die Energiepreise künstlich, ja, es wird viel zu wenig getan, die Energiepreise wirklich zu senken. Wir wissen heute weltweit, dass dort, wo in Speicher investiert wird, Australien, USA, äh, UK, die Energiepreise sinken, ja. Und unsere Energieministerin ist leider sehr konservativ bei Speichern.

00:39:46: ,972 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:39:46: ,832 [Herbert Diess] Ja. Ich glaub nicht, dass sie zum Ziel hat, wirklich die Energiepreise zu senken.

00:39:50: ,122 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:39:51: ,332 [Herbert Diess] Außer mit Steuersubventionen.

00:39:53: ,971 [Gerd Stegmaier] Es gibt ja sogar die These, dass die Stagnation der letzten Jahre in der Wirtschaft vor allem auf eine Energiekrise quasi ist.

00:40:00: ,552 [Herbert Diess] Ja, mein Gott, die, die, äh, natürlich sagen wir, dass die, der, die, diese Verteuerung der, vor allem des russischen Gases, ne, jetzt so amerikanisches Gas, was ja dreimal so teuer ist als das russische, äh, ist natürlich, äh, hilft es der wirtschaftlichen Entwicklung nicht. Äh, aber Energiekosten in Deutschland waren im Vergleich immer schon hoch, ja, im Vergleich zu anderen Ländern. Wir konnten nie mit, äh, Norwegen, Schweden oder mit den USA bei Energiekosten im Wettbewerb stehen. Die waren da immer niedriger. Wir haben uns immer differenziert über Wertschöpfung, über höhere Produktivität, ne. Und es ist auch, äh, wir, wir investieren in meinem, ähm, derzeitigen wichtigsten Unternehmen, Portfolio Infinion, wir investieren derzeit fünf Milliarden in Deutschland, in Dresden, ne, trotz hoher Energiekosten, trotz hoher Arbeitskosten, weil wir sicher sind, dass wir hier die weltweit höchste Produktivität erreichen mit unserer nächsten Generation Leistungshalbleiter in Dresden. Wir haben noch nie so viel investiert. Es ist historisch unsere größte Investition, die wir jemals getätigt haben. Und fünf Milliarden, einfach um diesen Vergleich zu setzen, nein, Infinion macht fünfzehn Milliarden Umsatz. Also ein Drittel unseres Umsatzes investieren wir hier, äh, in Dresden. Es wär so, wie wenn VW hundert Milliarden in Deutschland investieren würde.

00:41:11: ,952 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:41:11: ,192 [Herbert Diess] Ne? Und es geht nach Deutschland nicht aus, ähm, ja, Patriotismus oder was, sondern weil wir sicher sind, dass wir, wir sind die Ersten, die, die Leistungshalbleiter auf Galliumnitrid auf zweihundert Millimeter Scheiben machen. Wir haben 'ne Technologie, die uns differenziert und wir werden extrem hohe Produktivität erreichen hier in Deutschland, ne. Deswegen, äh, und das bedeutet, für Deutschland ist schon investierbar, aber für die richtigen Technologien und mit hoher Automatisierung und Produktivität.

00:41:40: ,771 [Gerd Stegmaier] Ja, und wenn dann noch anständige Energiepreise hinzukämen, dann wär's gar nicht so schlecht.

00:41:43: ,211 [Herbert Diess] Das würd schon helfen, aber die Energiepreise, ne, und einfach, vielleicht lassen wir dies, diesen, diesen Ausflug noch machen. Wir reden über hohe Energiepreise, in Wirklichkeit haben wir hohe Netzkosten.

00:41:53: ,672 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:41:53: ,872 [Herbert Diess] Ja. Die Netzkosten sind exorbitant bei uns und wir sind ja in Frankreich tätig und hier in Deutschland. Hier in Deutschland sind wir jetzt befreit vom doppelten Netzentgelt, ne. Das wäre prohibitiv, weil es wären zwanzig Cent etwa im Durchschnitt.

00:42:05: ,142 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:42:06: ,822 [Herbert Diess] In Norddeutschland haben wir sogar vierzehn Cent Netzkosten, also wären es achtundzwanzig Cent. Und wir sind, ähm, äh, wir sind jetzt bei zehn Cent. In Frankreich sind die Netzbenutzungsgebühren für die Kilowattstunde vier Cent.

00:42:18: ,002 [Gerd Stegmaier] Wahnsinn, ne?

00:42:19: ,032 [Herbert Diess] Also mehr als die Hälfte weniger. Und dann fragt man sich natürlich: Woher kommt das? Ja, Frankreich ist ein Flächenstaat, hat per se eigentlich höhere Netzkosten, ne. Die noch dazu sind die Kraftwerke überwiegend in der Peripherie. Das heißt, der Strom muss weit durchs Land geleitet werden, um, um zu den Verbrauchern zu kommen. Und ich hab mir das deswegen ein bisschen genauer angeguckt und gesagt: „Wieso haben die vier Cent, wo wir zehn Cent haben?" Ja, und wenn Sie dann tiefer reingucken, sagen Sie: „Ja, ganz toll, das Thema. Wir haben achthundertachtzig Netzbetreiber in Deutschland.

00:42:52: ,232 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:42:52: ,042 [Herbert Diess] Ja, jeder hat einen Vorstand, jeder ist ein Monopolist. Ja, der Kunde kommt nicht, sie kommen nicht raus aus ihrem Netz, ne, aus den Stadtwerken, Lechwerken, Amper, Isar-Amper-Werken hier in dem Umfeld. Sie kommen nicht raus aus dem Netz und das sind Monopolisten und die sind reguliert von der Behörde, aber im Prinzip, wenn die was investieren müssen, kriegen sie Geld dafür, ne, oder können sie Gebühren dafür. Und, ähm, das führt dazu, dass dieses Netz einfach sehr ineffizient ist, ne. Und dann gucken Sie nach Frankreich, ja, gibt es einen Netzbetreiber, der ist staatlich und der macht das für vierzig Prozent der Kosten wie hier in Deutschland. Das ist 'n, ist 'n, das Thema wird nicht angegangen. Da ist dringender Handlungsbedarf. Ich sage jetzt nicht, das muss verstaatlicht werden, ne. Das wär nicht, wär so gegen meine Grund, eigentlich, meine Grundhaltung, aber das muss konsolidiert werden, ja, und besser, besser reguliert werden, ja. Weil sonst werden wir auch eine Explosion der Netzkosten haben, weil der Strom heute, wenn Sie jetzt, wenn Sie jetzt heute draufgucken, äh, der Strompreis – und das kann man ja, kann man ja heute online machen – sind wir jetzt bei zwei Komma vier Cent, ne. Zwei Komma vier Cent. Es geht noch runter jetzt dann, äh, fünfzehn, sechzehn Uhr. Äh, also

00:44:04: ,452 [Herbert Diess] sagen Sie: „Wieso zahle ich fünfunddreißig Cent, ja, wenn mir zwei Komma drei Cent kostet?" Der Unterschied sind die Netzgebühren.

00:44:10: ,192 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:44:11: ,692 [Herbert Diess] Und das Thema Netzgebühren findet gar nicht statt, ja, in der öffentlichen Diskussion. Wir sagen: „Oh, zurück zur Atomkraft." Die Atomkraft könnte nie dreieinhalb Cent, ja. Die Atomkraft, neue Atommeiler können vielleicht fünfzehn Cent, ja. Die alten, abgeschriebenen in Frankreich verkaufen für sieben, acht Cent, ja.

00:44:29: ,992 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:44:29: ,832 [Herbert Diess] Also kommen da nie hin und wir diskutieren aber jetzt Gaskraftwerke, die [lacht] liegen bei, weit jenseits der fünfzehn, ne. Wenn die wenig genutzt sind, dann eher Richtung zwanzig, dreißig Cent. Äh, aber das Thema, das wir eigentlich diskutieren müssten, ja, Restrukturierung der Netze,

00:44:47: ,851 [Herbert Diess] das machen wir nicht.

00:44:48: ,812 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:44:49: ,032 [Herbert Diess] Warum eigentlich?

00:44:51: ,872 [Gerd Stegmaier] Ja, das ist eine sehr gute Frage. Ähm, die heben wir uns gleich auf für die nächsten dreiundzwanzig Folgen von, äh, unserem Move-Podcast. Ähm, bevor ich Sie ganz entlasse, Sie schauen schon auf die Uhr, äh, es gibt auch noch einen zweiten Brauch bei uns im Podcast. Ganz am Schluss kommen A-B-Fragen. Das heißt, Sie dürfen sich zwischen zwei Alternativen entscheiden. Ich mach's schnell, Sie müssen auch nicht lange überlegen: Streaming-Dienst oder CD und Schallplatte?

00:45:18: ,472 [Herbert Diess] Nee, schon Streaming. [lacht] Das ist so,

00:45:21: ,512 [Herbert Diess] bin ich so, schaue ich so alt aus? [lacht]

00:45:24: ,012 [Gerd Stegmaier] Okay, die nächste Frage ist vielleicht noch ganz spannend für Sie: Ferrari oder Tesla?

00:45:31: ,792 [Herbert Diess] Äh, ja, Ferrari, klar.

00:45:33: ,452 [Gerd Stegmaier] Okay. Apple oder Google?

00:45:37: ,992 [Herbert Diess] Apple, ja.

00:45:38: ,412 [Gerd Stegmaier] Loft in der Stadt oder altes Bauernhaus auf dem Land?

00:45:41: ,472 [Herbert Diess] Ich lebe in dem Loft in der Stadt, ja. Und ich hab aber auch ein Bauernhof auf dem Land.

00:45:45: ,172 [Gerd Stegmaier] Okay. Wohl dem, der sich nicht raussuchen muss. Auto oder Fahrrad?

00:45:51: ,631 [Herbert Diess] Ich fahr in der Stadt fast nur Fahrrad-

00:45:53: ,982 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:45:53: ,812 [Herbert Diess] und öffentlich, aber bin natürlich auch, äh, leidenschaftlicher Individualverkehr, äh, Protagonist. Viel Motorrad, Zweirad und aber dann über Land auch Auto, weil man ja sagen muss, das Auto hat viel von diesen negativen Aspekten verloren, ne. Es hat keine Emissionen mehr, es ist leise, fährt geschmeidig und es wird denn jetzt auch durch das Thema, äh, autonomes Fahren wird es auch unglaublich sicher werden. Also das bleibt schon, wir bleiben viel bei Individualverkehr, ja. Nicht im Stadtzentrum, ne. Ich lebe im Stadtzentrum, da ist Fahrrad auch gut.

00:46:30: ,071 [Gerd Stegmaier] Datenschutz und AGB ist Aluhut oder Accept All?

00:46:35: ,232 [Herbert Diess] Ja, gute Frage. Es wär wahrscheinlich gut, das differenziert zu lesen. Ich mach meist Accept All, weil ich immer in Eile bin da, ja.

00:46:44: ,272 [Gerd Stegmaier] Mhm.

00:46:45: ,952 [Herbert Diess] Man muss schon sagen, dass wir beim Datenschutz, glaube ich, in Europa überzogen haben, weil auch für unsere Geschäftsmodelle das natürlich häufig 'ne große Bürde ist und auch viel Aufwand darstellt.

00:46:55: ,712 [Gerd Stegmaier] Ähm, übers Adrenalin-Level in der Freizeit haben wir schon gesprochen. Sie sind Motorradfahrer. Bei uns wär die Alternative Fliegenfischen gewesen.

00:47:03: ,672 [Herbert Diess] Nee, Fliegenfischen gar nicht. Ich bin kein, ich bin Jäger, aber mach das auch nicht sehr, äh, häufig. Äh, Adrenalin schon hoch, vor allem durch Bewegung. Ich mach, äh, Kitesurfen und jetzt halt neueste Wing Foilen, was ich genial finde. Ich war einer der ersten Surfer hier im Münchner Raum. Wir waren zu zweit am Starnberger See damals. Das war, ist, äh, fünfunddreißig Jahre her oder so was. Und jetzt dieses Wing Foilen ist jetzt 'ne ganz neue Dimension, ne. Man holt ja das Brett aus dem Wasser auf so 'n, auf so 'n Unterwasserflügel und hat so einen zweiten Flügel in der Hand und die beiden Flügel zu synchronisieren, ist ein wahnsinniger Adrenalinschub, ja. [lacht] Ohne zu viel Risiko.

00:47:43: ,072 [Gerd Stegmaier] Ja.

00:47:45: ,652 [Gerd Stegmaier] Kaffee oder Tee?

00:47:46: ,132 [Herbert Diess] Kaffeetrinker, ja.

00:47:48: ,192 [Gerd Stegmaier] Steak oder Falafel?

00:47:50: ,812 [Herbert Diess] Beides. Ja, ich ess nicht mehr so viel Fleisch, aber ein gutes, gutes Steak auch mal gerne.

00:47:54: ,252 [Gerd Stegmaier] Mhm. Letzte Frage: Nachteule oder Lerche?

00:47:59: ,832 [Herbert Diess] Ja, normalerweise in Nacht, aber ich stehe auch zu, für 'ne Skitour auch mal um zwei Uhr morgens auf.

00:48:04: ,532 [Gerd Stegmaier] Okay. [lacht] Dann sage ich jetzt ganz vielen Dank für die vielen Einblicke und Antworten. Euch da draußen auch vielen Dank fürs Zuhören und ich würd sagen, bis zum nächsten Mal. Wenn's euch gefallen hat, lasst eine Bewertung da oder schreibt uns an podcast@move-magazin.de. Ihr seht, ich hab die Adresse behalten seit dem letzten Mal. Ja, und ansonsten sauber bleiben. Bis zum nächsten Mal. Danke schön.

00:48:34: ,872 [Herbert Diess] Ich bedanke mich. Tschüss.

00:48:35: ,472 [Outro] Outro-Musik]