Der New Mobility Podcast von auto motor und sport
Luca Leicht: MOVE, der New Mobility Podcast von AUTO, MOTO und SPORT. Hallo und herzlich Willkommen zu MOVE, dem New Mobility Podcast von Auto, Motor und Sport. Ihr seht, ich bin heute allein hier. Liegt daran, dass der Gerd im wohlverdienten Urlaub ist. Patrick ist irgendwo in Lissabon. Und wir wollen die ganze Sache aber heute zum Anlass nehmen, dass wir eine Live-Schalte zu einem anderen Kollegen machen, der nämlich gerade in Mailand gastiert. Nicht zum Urlaub, sondern bei der Motorradmesse EICMA. Und wieso machen wir das? Weil wir noch nie in 200... 260 Folgen Move über das Thema Elektromotorräder gesprochen haben und das wollen wir heute ganz, ganz, ganz dringend nachholen, weil da bahnt sich vielleicht das eine oder andere an. Ich habe schon gehört zu einer kleinen Revolution, gibt es da zumindest noch so in der Spannungslage, die sich anbahnt. Aber bevor wir da jetzt lange rumreden, was ist, heute geht es um Elektrommotorräde und wir haben Jens Kratzschmar dabei. Der ist der, was bist du eigentlich, Jens sagt das selber, du bist der Kollege, ich kann ganz offen zu dir sein.
Jens Kratschmar: Ich bin der Kollege von Luca Leicht und mehr ist auch nicht zu sagen. Nein, ich bin Redakteur von Motel Road Online und habe mir vor vielen Jahren angewöhnt, mich einfach mal intensiver mit der Thematik Elektromobilität auf zwei Rädern zu besetzen und bin auch schon viel gefahren und unterhalte mich sehr gerne über diese Thematika, weil es mir schon ein Stück weit am Herzen liegt. Allerdings natürlich die. Die physikalische Grundeigenschaft des Motorrades zum Umfallen, zu neigen als Einspurfahrzeug, natürlich auch die Elektromobilität ein Stück weit in der Architektur beeinflusst. Und das ist ein Stückweit, glaube ich, immer noch so die Krux an der ganzen Geschichte. Ich kann halt keinen Sandwich-Boden bei einem Motorrad bauen, sondern ich muss einen Turm bauen und dann...
Luca Leicht: Naja, ist das nicht so im Schwerpunkt so eine Sache, ja.
Jens Kratschmar: Unter anderem ja.
Luca Leicht: Du bist gerade in Mailand auf der Motorradmesse der EICMA, das ist im Prinzip die größte Messe, die es für dieses zweirädrige Treiben gibt.
Jens Kratschmar: Ja das dürfte mittlerweile weltgrößte motorradmesse sein ist natürlich auch leitmesse wir sind hier glaube ich jetzt gerade lasst mich lügen in acht messe hallen voll gestopft mit allem was mit dem thema motorrad zu tun hat Klar, die Traditionsärzte, die man kennt, viele, viele neue Marken aus China, die natürlich auch teilweise die Elektromobilität ansprechen in unterschiedlichen Konzepten. Und ja, dieses Jahr war die eine oder andere kleine Überraschung dabei, die mich wieder ein bisschen vorstellt, was die Thematik angeht.
Luca Leicht: Deine Zertrommel, was sind denn deine Messe-Highlights? Wie so einen kurzen Highlight-Messe-Abriss für uns?
Jens Kratschmar: Überrascht hat mich tatsächlich die Firma Segway Ninebot, also kennt man ja Segway noch diese Gyro gefahrenen komischen Touristenfallender und die sind ja mittlerweile Mobilitätshersteller, haben ganz, ganz viel gemacht und haben jetzt überraschenderweise eine Studie vorgestellt, einen sehr großen Elektroroller. Orka genannt, natürlich auch kleins martialisch betitelt und haben da tatsächlich, ich glaube als erste, eine 800 Volt Technik rein gekloppt. Und das nimmt natürlich so deine Anfangsmoderation auf, eine spannende Geschichte, denn bei allen bekannten Systemen, die wir gerade so haben, sind natürlich so Voltzahlen, die man aus dem Auto kennt, Utopie. Also da reden wir so im... Also ist nicht vorhanden. Also wir reden halt so bei den etablierten Serienherstellern von so um die 200 Volt, die dann maximal als Spannung gerade am Laufen sind. Und da wissen wir ja, dass das die ein oder andere andere Leistungskurve stark beeinträchtigt.
Luca Leicht: Ja, oder du packst richtig dicke Kabel rein. Nee, aber in der Regel reicht das ja auch schon nicht aus. Die Spannung ist ja auf vielen Ebenen gut. Aber weil du jetzt sagst, nein, dort hatte ich überrascht. Die sind jetzt nicht so. Also ich kenne die vor allem von so Tretroller Geschichten. So so diesen diesen Volt, Bolt, wie sie alle heißen, in Privatbesitz. Aber wie es bei den anderen Herstellern gibt es da irgendwas? Ist das so wie beim Auto mittlerweile ja auch, dass eigentlich jeder Auto herstellt, der mehr oder weniger was auf sich hält. Noch irgendwie ein E-Fahrzeug zumindest mal. Proforma anbietet, vielleicht auch aus irgendwelchen CO2-Spargründen oder so was.
Jens Kratschmar: Zwei Spargründe, die es ja nicht gibt bei Motorrad, das dürfte natürlich auch einer der Gründe sein, warum sich diese Technik einfach jetzt nicht so von der Legislatur her erzwungen durchgesetzt hat oder durchsetzen wird, weil Motorräder müssen kein Benzin sparen. Ich möchte jetzt hier bitte keine legislative Büchse der Fandora aufmachen. Dementsprechend hat sie es nicht so durchgesetzt. Ja, viele Hersteller, auch die großen Herstaller, beschäftigen sich mit der Materie. Letztes Jahr hat Honda hier eine hochinteressante Serienmaschine vorgestellt, die WN7, mit einer sehr feinen Technik, die sich natürlich dann in diesem urbanen Mobilität und so ein bisschen Commuting, plus minus 50 Kilometer, natürlich auch sehr, sehr... Einfach auch durchsetzen kann, weil es reicht für diese Reichweiten und auch die Ladeleistung sind in dieser Ecke dann mit 11 bis 12 Kilowatt maximal dann auch ganz okay für ein 8-Kilowatt-Stunden-Akku oder für ein 9-Kilo-Watt-Sunden- Akku, das heißt, ja, damit kommt man dann schon ganz gut hin. BMW ist ja seit vielen Jahren mit dem CE 04 doch recht erfolgreich, weil das auch eine sehr, sehr schöne Technik ist, diese aus dem, ich glaube aus dem ersten hybriden Dreier-Modellen haben sie da Akku und teilweise auch Motoren übernommen und auch dieses Modell bin ich auch vor einigen Jahren über 1000 Kilometer schon gependelt und das funktioniert rein technisch schon sehr gut und macht auch Spaß und ergibt dann in diesem Kontext auch so einen Sinn. Also da bist du mit so einem acht, neun Kilowattstunden Akku kommt man dann schon 130, 140 Kilometer inklusive Stadt weit, weiter soll es dann allerdings nicht mehr sein. Und es reicht aber dann auch.
Luca Leicht: Wenn man das so sieht, sind das von der Reichweite im Prinzip Werte, die wir bei der E-Mobilität mit den ersten Smarts und so auch hatten. Da waren wir bei 100, 120 Kilometern. Wenn das Wetter gut war, wenn es nicht so gut war dann auch ein bisschen weniger.
Jens Kratschmar: Bisschen weniger. Ja, so ist das.
Luca Leicht: Aber, ja bitte.
Jens Kratschmar: Bitte. Jetzt etablierte Hersteller wie zum Beispiel Zero Deed ist ja, die mit der ganzen Geschichte ja vor 30 Jahre schon, also mindestens 20 Jahre angefangen haben da Pionier zu sein mit eigenen Systemen. Da hast du natürlich dann auch Modelle mittlerweile, da kommst du dann in einem guten Pendelbetrieb auch mal so 140-150 Kilometer weit. Aber das ist tatsächlich einfach die Grenze, weil natürlich wir natürlich immer noch die Sache haben, Aktuelle Zellen wiegen halt einfach noch relativ viel und irgendwann ist so ein Motorrad halt auch voll. Also ich kann natürlich kein Elektromotorrad mit 400 Kilo hinstellen, nur damit es irgendwie 30, 40 Kilowattstunden Akku hat. Das ist fahrdynamisch die Hölle auf Rädern tatsächlich, weil es einfach auch nicht fahren würde. Weil ich bin natürlich, da sind wir wieder beim Bau und bei der Architektur, ich bin begrenzt in der Höhe, weil irgendwann kommt da halt der Fahrer und ein Lenker und ich muss ja auch noch was sehen. Ich bin in der Breite begrenzt, weil ich natürlich jetzt ein einspuriges Fahrzeug nicht 2,50 Meter, also rein rechtlich dürfte ich es natürlich 2,55 Meter breit bauen. Das ergibt natürlich auf vielen anderen Ebenen überhaupt gar keinen Sinn, ein 2,55 Meter breites Motorrad zu bauen, zumindest mit so einem Akkuherd. Und ja, das sind einfach, das ist so diese, diese Gemengelage, der sich die ganzen Hersteller einfach bewegen. Sie sind von der Zellarchitektur, von der Cell-Chemie aktuell eingeschränkt. Sie sind architektonisch vom Grundkonzept Motorrad eingeschrenkt. Es geht halt einfach grad nicht mehr als irgendwie so 20 Kilowattstunden Akku da rein zu kloppen. Mehr ist halt grad einfach nicht möglich und das, daran trauen sich halt noch nicht so viele dran. Ich glaube selbst dann. Dass sehr sehr viele große Hersteller fertige, sehr sehr gute Antriebskonzepte fertig haben, nur einfach auf den richtigen Akku dafür warten.
Luca Leicht: Okay, also du meinst, dass dann im Prinzip so was wie eine ASSB, also eine All-Solid-State, um die Ecke kommt und so was, wie Donut Lab hat ja auch mit einem Motorrad sich vor einigen Monaten sehr viel durch die Medien, wie nennt man das höflich?
Jens Kratschmar: Aus dem Fenster.
Luca Leicht: Aus dem Fenster gelehnt und dann hat jemand geschubst. Aber das wird dann der Durchstart werden, damit es dann wirklich auch im Breiten erfolgreich wird. Weil mein Eindruck ist, es kommt immer mehr. Also wenn ich jetzt Motorräder nicht ganz eng fasse, sondern auch so Elektroroller beispielsweise anschaue, dann sehe ich zumindest in meiner Nachbarschaft, hier im Urban, in Stuttgart, wahnsinnig viele von diesen Dingern rumfahren und kein, also ich weiß nicht, wenn ich hier jetzt direkt bei mir mal abgesehen von ein paar Schwalben. Die in die ganz andere Verbrennerrichtung mit Zweitakt und so fahren, wann ich hier einen klassischen Verbrennern, was gab es zu meiner Jugend? Speedfighter oder sowas, Roller gesehen habe. Oder so ein Kram. Dann ist alles immer nur noch Elektro.
Jens Kratschmar: Auf dieser Ebene, so in dieser Ecke um den klassischen 50er-Jahre-Stadtroller. Den findest du natürlich zuhauf. Das ist eine ganz einfache, rudimentäre Technik. Radnabenmotor drin, hat irgendwie, keine Ahnung, 3,5 kW Leistung, hat irgendwie so einen kleinen Akku drin, teilweise herausnehmbar, um ihn einfach dann oben in die Wohnung mitzunehmen, in so einem kleinen Trolley, um den einfach oben zu laden. Dann hat der Akku irgendwie so 5, 6 Kilowattstunden. Und damit kommst du natürlich mit so einem Kleinen Hupfwolle. Du kommst in der Stadt wahrscheinlich drei, vier Tage locker um die Ecke, weil du kommst natürlich nicht so schnell so weit in der Stad und dafür gibt diese Technik natürlich sehr viel Sinn. Und auch hier in Mailand oder wenn man mal in wirklich große Städte geht, was ja Stuttgart auch nicht ist, sorry Stuttgard, das ist nicht groß, da fährt das Zeug zu Hauf rum. Wie gesagt, auch hier im Mailand, die ganzen Roller, da ist nichts mehr. Mit Verbrenner unterwegs. Das tut alles elektrisch und genau dafür funktioniert diese Technik. Und ich glaube auch, das ist so die Sache, die ich mir jetzt hier auf der EICMA jetzt so immer im Augenwinkel gesehen habe. Das ist auch da, wo sich jetzt bei den neuen Herstellern Elektro-Mobilität auf zwei Rädern hin entwickelt. Sehr, sehr auf einen Anwendungsfall hin optimiert. Wie du vorhin stark genannt hast, die natürlich eine herausragend tolle Technik haben, mit diesem mittragenden Akku. Das ist natürlich jetzt auch in dieser ganzen Konstruktion von Elektro-Zwei-Rädern auch noch ein Novum, dass da der Akku wirklich mittragend des Teils ist und da nicht noch ein... Um einen sehr schweren Akku noch ein sehr schwerer Stahl rum muss, sondern das einfach dieses Akkugehäuse mitträgt, da ist stark ganz groß und die haben natürlich sich ganz klar auf diesen Purpose entwickelt, okay wir lösen das Problem, dass ich offroad einfach ein Lautstärke- und Abgasproblem habe und mit einer funktionierenden Technik, die genau auf diesen Einwendungszwecken optimiert ist, da funktionieren diese stark hervorragend für ein Enduro-Rennen oder für ein Motocross-Renn, was natürlich zeitlich begrenzt ist, da funktioniert diese Technik wunderbar. Alles weitere wird dann natürlich wieder schwierig, weil ich nicht keine riesigen Ladeleistungen habe. Und ebenso, du vorhin live war ja auch angesprochen hast, die Elektromarke von Harley-Davidson. Meiner Meinung nach, eben der S2 Aero-Plattform, diese in dem aktuellen Modell drin haben, auch als einziges Serienfahrzeug wirklich ein mittragenden Akku, technikherausragend gut angenommen auf dem Markt, nicht so, weil da natürlich bei einem Premiumhersteller auch so eine gewisse, wieder diese Preiskomponente drin ist. Ich kauf mir so ein Ding für 13.000 Euro halt einfach nicht.
Luca Leicht: Weil Harley teurer sein müsste, ich find 13.000 Euro, ich hab das noch im Kopf, weil ich hab tatsächlich ernsthaft mal mit einem Gedanken gespielt, mir so eine Zero ans Bein zu binden. Und hab dann, mein ich, irgendwas von 20 bis 18 bis 22.000 € gelesen. Und war dann sehr schnell sehr abgelöscht. Genau, das war der ... Von der ganzen Idee. Deswegen, wenn ich jetzt 13.00 € hör, denk ich mir so ... Jetzt vielleicht kein Schnapper, aber was kostet gerade ein Dacia Sandero oder Dacia Spring? Aber dafür habe ich mehr Fahrspaß als in einem Dacia-Spring, was man mit allem hat, was wahrscheinlich mit wirklich allem.
Jens Kratschmar: Wenn du jetzt vor der Entscheidung stehst, möchte ich mir ein Dodger Spring kaufen oder eine aktuelle Livewire mit der Aerowire Architektur, dann ist meine Empfehlung als Fachmann natürlich, das Motorrad zu nehmen. Aber das wäre es in allen Fällen. Das wäre es in allen Fällen wahrscheinlich. Wenn du jetzt allerdings ein Äquivalent zu dieser, eine Motorrad suchst um 13.000 Euro in ähnlich dieser Leistungsphase, dann findest du so ein Motorrad nicht, weil du entweder mit der gleichen, mit dem vergleichbaren Leistungsportfolio, 3.000, 4.000 € günstiger bist mit dem Verbrenner oder für 13.00 € ein Motorad kriegst, was dir vielleicht doppelt so viel Motorrad an Ausstattung, an Leistung, an Möglichkeiten bietet. Weil natürlich auch diese 13.0000 €, ich nur einen Akku mit um die 9 Kilowattstunden. Das heißt, ich komme irgendwie so im realen Leben und das hat sich auch bei meinen vielen Testfahrten gezeigt, egal. Wie man sie fährt, egal wie groß, egal, wie stark, die brauchen alle so um die neun bis zehn Kilowattstunden pro 100 Kilometer, egal wie man die tritt oder nicht tritt. Das ist einfach irgendwie so anscheinend so ein Minimalverbrauch, den die haben, damit sie existieren. Und dann kommt es halt auch nur 100 Kilometern weit. Und das ist natürlich jetzt für ein Moped mit 13.000 Euro nicht gut. Wenn ich es nur in der Stadt einsetze, ist es natürlich viel zu teuer. Da kann ich mir ein deutlich günstiges Elektromotorrad kaufen. Also da ist diese, wie der Markt sich entwickelt, was ich angeboten bekomme. Das sind so viele Unterschiede drin. Das ist so arg differenziert, dass es extrem schwierig ist, zwei Elektrommotorräder wirklich miteinander zu vergleichen, weil die in den seltensten Fällen wirklich vergleichbar sind.
Luca Leicht: Ich hätte jetzt erwartet, dass bei der Harley-Welt auch die Kundschaft eine andere ist. Ich denke da immer an diese 103 CCI-Aufdrucke überall und wie fähig man da ist, dass man da einfach ein V2 haben will und das muss irgendwie laut sein vor allem und dann wäre es noch gut, wenn es laut ist und schnell fahren oder so muss jetzt ja auch nicht und bremsen beispielsweise soll es jetzt bei einer Harley auch glaube ich in den seltensten Fällen.
Jens Kratschmar: Ja, also das Klischee mit dem lauten Harley V2 würde ich jetzt vielleicht mal nicht so ganz unterstreichen. Aber genau aus dem Grund hat Harley Davidson ja eine eigene Marke gegründet, die sich einfach Livewire nennt, um einfach so diese Verbindung jetzt nicht ganz herzustellen. Wie sich das jetzt auf dem Markt entwickelt, steht auf einem anderen Blatt Papier. Aber Sie haben das natürlich schon erkannt, dass ich das Modell, was du vorhin nannt, das für 22.000 Euro, das war die S1, die hieß tatsächlich am Anfang, hieß die Die hieß Harley Davidson Livewire und das war natürlich schon ein großer Paradigmenwechsel in der Kompanie. Aber sie haben dann schon gemerkt, dass das einfach schwierig zu kommunizieren ist und haben dann aus diesem Modellnamen Livewire die Marke gegründet und dieses Modell gibt es immer noch und heißt jetzt glaube ich S1, kostet jetzt keine 22 mehr, aber jetzt auch nicht unbedingt viel weniger, ist halt mittlerweile doch schon eine eher antiquäre Technik hintendran.
Luca Leicht: Ich hatte tatsächlich von der Zero gesprochen, aber es heißt drum, kannst du mal einen Abriss geben, weil gerne auch über den ganzen Bereich, den es so gibt bei den Motorrädern, was man da so preislich generell, wenn man in Richtung Elektromotorrad blicken will, ausgeben muss. Du hast vorhin ja auch Honda, die WN7 genannt. Honda ist jetzt eher bekannt dafür beispielsweise bezahlbare Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Aber in welchen Bereichen sind wir? Was sind das dann für Motorräder? Sportmotorräder, die Stark ist schon gefallen. Was gibt's, was muss man da so rechnen?
Jens Kratschmar: Da hat sich jetzt ein bisschen tatsächlich der Markt ein bisschen entwickelt, dass die tatsächlich auch ein bisschen günstiger geworden sind und das immer wieder bei diesem bei diesem Einsatzzweck. Also jetzt zum Beispiel Sonja Stark, um bei dem Beispiel jetzt erstmal zu bleiben, die positioniert sich natürlich klar gegen andere Offroad-Maschinen. Andere Enduros, die im Grunde auf dem Markt irgendwo zwischen 11.000 und 13.000 Euro kosten und sehr, sehr zielsicher hat Stark, also ein wirklich kompensatives Modell entwickelt mit der BAG, die sich leistungsmäßig, gewichtsmäßig, ausschleunigungsmäßig und preismäßlich genau da reinsetzt. Also man hat im Prinzip genau die Entscheidung, kaufe ich jetzt das oder kaufe das, also die Vergleichbarkeit, die ich vorhin … als nicht gegeben Stand bei den meisten Motoren ist zum Beispiel bei diesem Stark-Modell ganz klar gegeben. Diese Verbrenner und Elektro sind hundert Prozent vergleichbar. Ich kann mich wirklich entscheiden und bekomme sehr, sehr gleichwertige Technik und sehr, sehr gleichwärtige Performance. In so einer Honda WN7, also die guten Modelle, die von den Premium-Herstellern, da bist du natürlich immer, wenn du einigermaßen Reichweite willst, ja schon deutlich im fünfstelligen Bereich. Jetzt nicht mehr um die 20, aber so ab 10 aufwärts bist du ja dann schon dabei. Da bekommst du dann auch schon ganz gute Modelle. Die Top-Modelle immer noch so 17, 18, 19 mit dem entsprechend hohen Gewicht. Und jetzt hat sich allerdings jetzt auf der EICMA auch wieder gezeigt. Das hat zum Beispiel Zero, die sich ja vor einigen Jahren mit dem indischen Großhersteller Hero zusammengetan haben. Zero Hero. Die wurden gekauft, oder? Da gab es ein Investment, wie auch immer das dann rechtlich aussieht, von 60 Millionen. Aber Zero ist immer noch eigenständig und Hero hängt halt eben mit drin und spendet wohl auch hier und da ein bisschen Technik. Zero hat auch angefangen jetzt mit kleineren Enduros, jetzt auf der Eichmann-Roller etwas erreichbare Modelle, um ab 6, 7, 8.000 Euro anzubieten und natürlich mit diesem wachsenden Markt von Chinesischen. Modellen, die auch in dieser Preis-Range und auch in der Leistungsklasse äquivalent 125er, also 11 kW Dauerleistung, operieren und da einfach auf was gegenzusetzen. Das ist so diese Welten, der wir uns bewegen, um entweder sehr, sehr starke Bikes, die dann schon irgendwo so 80-90 PS haben oder wir haben dann sehr viel 125er äquivalent von der Dauerleistung her 11 kw. Und, ähm... Das ist so der Markt, wie er sich gerade abbildet. Wobei man sagen muss, dass Zero zum Beispiel, um nochmal auf den Hersteller zurückzukommen, das eigentlich vor ein paar Jahren ganz clever gemacht hat. Wir haben ja die Möglichkeit aufgrund der Errechnung von Dauerleistung, natürlich ein Elektromotor oder ein Elektro-Motorrad. Stark zu skalieren. Und die haben es zum Beispiel, die hatten früher ein 125er Modell mit einem Kleinmotor und einem kleinen Akku und dann entsprechend größere Modelle. Jetzt haben die sich von der Architektur und von der Legislatur her das so clever gemacht, dass sie im Prinzip nur noch eine technische Basis haben, die sie skalieren können. Die Motorräder sehen alle gleich aus, aber das eine ist eben ein 125 Modell, das andere ist ein 48 PS und dann gibt es die offenen Modelle und die unterscheiden sich auch.
Luca Leicht: Ich glaube, das musst du vielleicht für unsere Zuhörer nochmal kurz einordnen, wie das alles da ist, weil diese ganze Führerschein-Klassen- und Zulassungsklassen-Debatte, die hat wahrscheinlich nicht jeder drauf und ich muss offenstehen, ich auch nicht mehr ganz.
Jens Kratschmar: Wir haben ja in Deutschland, es gibt ja diesen Führerschein A1, also wo man dann bis 125 cc, also Verbrenner, bis 125cc fahren kann.
Luca Leicht: Für die 16-Jährige.
Jens Kratschmar: Für die 16jährigen, genau, kannst du mit 16 bis 18 fahren. Da hast du dann maximal 125 cc und hast eine erlaubte Spitzenleistung von 11 kW, also knapp 15 PS. Beim Elektromotorrad ist das natürlich ein bisschen anders, wissen wir ja. Da ist natürlich für die Homologation die Dauerleistung ist das Wichtige des Motors und da gibt es dann Ja, dann eben ganz, ganz viele Modelle, die irgendwie so diese 11 kW erfüllen, ein bisschen drunter und zählen dann als 125er. Jetzt kann ich allerdings aufgrund, wie die Dauerleistung errechnet wird oder festgelegt wird, natürlich als Hersteller festlegen, okay, ich kann den gleichen Motor, ich kann die gleiche Technik über Änderungen von Drehzahlen einfach viel stärker werden lassen und so einfach hoch oder runter skalieren. Um dann einfach diese 48 PS Klasse, es gibt ja noch den A2-Führerschein, da darf ich dann zwei Jahre maximal 48 PS Spitzenleistung und oder Dauerleistung fahren, um dann danach quasi den großen, den A-Fführerscheine zu haben, um dann quasi mehr oder weniger unendlich Leistung haben zu dürfen.
Luca Leicht: Okay, ich meine diese Spielerei mit der Leistung, das ist ja auch so ein Ding, was bei Tesla war. Ich kriege gar nicht mehr zusammen. Die ersten Teslas hatten ja auch im Fahrzeugschein erschreckend wenig Leistung eingetragen, aber halt eben die hohe Spitzenleistung. Die du ja aber gar nicht merkst in Wirklichkeit. Das ist nochmal ein anderer Punkt. Aber hat es noch irgendwelche anderen Vorteile, auch für den Endverbraucher abgesehen von dem Hersteller, der sich spart mehrere Fahrzeuge zu entwickeln und ein anderes Schildchen draufklebt und dann mehr Geld verdanken kann.
Jens Kratschmar: Na ja, im Kontext könnte ich, kann ich natürlich dann über die Anpassung von Software natürlich dann aus dieser 125er irgendwann, wenn ich die Führerscheine durchgemacht habe, natürlich dann ganz große machen, rein theoretisch. Okay. Aber machen das die Hersteller auch mit, dass sie so eine Art Upgrade-Kit kaufen kann? Von A2 auf A ja, von A1 auf A2 würde ich es nicht bespüren, da ich mich mit diesem Fall theoretisch gar nicht noch beschäftigt habe. Ich denke jetzt nicht, dass es da jetzt große technische Probleme gibt. Vielleicht liegt irgendwo was an der legislativen Problem, dass es eben dann vielleicht, keine Ahnung, mit Steuerversicherung irgendwas zu tun hat. Aber rein technisch ist das jetzt wahrscheinlich kein großes Problem. Spannend. Aber um diesen Gedanken vorzuführen, aber jetzt genau um diese Klasse darunter jetzt auch noch ein bisschen zu erfüllen, also alles was so bis 125 Kubik, da füllen sie jetzt teilweise auch auch Zero mit so kleinen Enduros, mit sehr, sehr einfacher Grundtechnik, so diese kleinen Dirtbikes, die man aus den USA kennt, die mittlerweile sehr sehr rumfahren, die im Prinzip Mountainbike-Fahrwerkstechnik haben und halt einfach einen recht starken Elektromotor und einen Mini-Akku irgendwo im Rahmen drin stecken haben.
Luca Leicht: Meistens leider keine Bremse, habe ich irgendwie mehr sagen müssen.
Jens Kratschmar: Ok.
Luca Leicht: Weil du gerade das Fahrradthema ansprichst, was mir noch im Kopf blieb, auch schon vor drei, vier Jahren, glaube ich, ist sowas wie Cake, was ja so ganz klein war. Du hast vorhin angesprochen, dass die Dinger dann mitunter auch schwer sind. Ich meine, so eine Cake, die ja auch als 125er gilt. Ich glaube, ist das nicht Schwedisch oder so? War Schwedish. Oder Schwache. Gibt es die nicht mehr? Sind die hinüber?
Jens Kratschmar: Die sind, ich glaube, als schwedische Firma sind sie vor anderthalb oder zwei Jahren dann den Weg des allenirdischen gegangen, wo der Markenname und die Technik mittlerweile ist, weiß ich nicht. Ich nehme an, dass sie aber auch irgendwo aufgekauft wurden. Weil das Produkt war ja schon cool, die Technik, die Optik, das Design, die Features von diesen Cake-Modellen waren ja auch cool und wir haben ja auch eine Bekannte, die ist ja mit so einem Ding auch mal durch Afrika gefahren, mit einem entsprechenden logistischen Aufwand hinten dran, aber die ist mit dem kleinen Cake-Ding durch Afrikageballert.
Luca Leicht: Was ich ganz merkenswert fand, die Dinger kosteten damals, wenn ich's richtig im Kopf hab, irgendwie um die 5, die einfachen, diese Commute-Teile oder so was, oder 4.000 Euro. Wenn man dann so ein bisschen was Off-Road-igeres, was Enduro-haftigeres haben wollte, da waren wir gleich bei sieben. Was ich aber auch, die haben ja ordentlich Bums trotz allem gehabt und die fuhren ja auch überall durch. Ich weiß nicht, ich hab damals mit der Mona Pekarek, einer geschätzten Ex-Kollegin von Motorrad gesprochen, ähm, die auch hellauf begeistert war. Und die fährt ja selber ... Also die, die so Gleichgewicht auf dem Moped halten, würde ich sagen, ist jetzt schon ihr Ding so als aktuell nicht mehr Deutsche Meisterin. Egal, wir schweifen ab. Ein großes Thema, weil du immer wieder das Reichweiten-Ding vorhin angesprochen hast, ist ja dann auch das Thema Laden. Ich gehe davon aus, wenn der Akku maximal 20 Kilowattstunden hat, respektive meistens eher 7, 8, 9, 12. Sind wir da nicht so richtig weit vorn auch, oder? Nee, überhaupt nicht. Wie laden die Fahrzeugchen denn?
Jens Kratschmar: Also wenn du Glück hast, dann bist du bei einem C-Wert von 1. Für eine ganz kurze Zeit, weil natürlich diese Systeme meistens passiv gekühlt sind. Das heißt, du bist einfach sehr, sehr limitiert von dem, was dann tatsächlich auch an Thermik auf den Akku einwirkt während des Ladens. Von der Ladestruktur her im Fahrzeug reden wir natürlich immer über eine Wechselstromladung. Alles meiste zu zwei. Gleichstromladen haben wirklich die wenigsten. Die einzigen, die es jetzt eingeführt haben, ist Zero. Die können dann, ich glaube, bis um die 20 Kilowatt dann an den Gleichstrom lade. Ob dann wirklich Gleichstrom rein geht, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Müssen wir mal testen. Besagte Donuts, also das, was Verge, die proklamieren, bis 50 kW Gleichstrom-Ladung. Ich habe es noch nicht ausprobiert. Aber selbst das sind natürlich alles immer nur so minimale Spitzenwerte, weil natürlich ich jetzt in ein so kleines Glas, das ich einfach habe mit 20 Kilowattstunden Akku, kann ich jetzt nicht irgendwie mit einem C-Schlauch von der Feuerwehr reinhalten. Das wird ja entweder zerbricht oder wird halt nie voll. Das ist ja immer das Ding. Das ist auch wie beim Auto. Die Ladekurve muss irgendwann runtergehen. Ich muss einfach ein sich fühlendes Glas langsam einschütten, weil sonst läuft es überall. Und je kleiner das Glas, desto langsamer muss ich einschütten.
Luca Leicht: Aber wenn du sagst, dann bei 10 kW Spitzenleistung und einer C-Rate bestenfalls von 1 bin ich dann in der Regel nach einer Stunde durch.
Jens Kratschmar: Das sind ja wirklich dann Spitzenwerte, die ich vielleicht, keine Ahnung...
Luca Leicht: Ja, okay.
Jens Kratschmar: Eine kurze Preise.
Luca Leicht: Also Spitze ist die C1.
Jens Kratschmar: Das wäre dann wirklich spitze, wenn du optimale Bedingungen hast, weil wir natürlich auch über kein Konditionierungssystem in diesen Akkus reden, weil die reine Akkutechnik ist einfach in den meisten Fällen einfach sehr, sehr rudimentär. Da hast du nicht so ausgefeilte BMS-Systeme mit Präkonditionierung und genau, wie das alles so funktioniert. Wie gesagt, die seltensten Fahrzeuge haben irgendwie eine aktiv gekühlte Akkustruktur, vielleicht mal einen wassergekühlten Motor. Aber ja, da ist einfach noch so der Gap zwischen der Autotechnik, die wir... Mittlerweile in dem besagten Dacia Spring haben, als quasi wahrscheinlich die niedrigste Einstiegsstufe, die ich in der Segment habe und den, was ein Motorrad hat in der Top-Ausstattung, ist mittlerweile so groß, keine Ahnung, wie viele Generationen da mittlerweile dazwischen sind.
Luca Leicht: Wahnsinn. Ich meine, du hast es gerade wassergekühlt angesprochen. Ich meine das Energica, Energic, wie spricht man das richtig aus?
Jens Kratschmar: Energica? Energica! Strafmann ist aus, ja?
Luca Leicht: Die sind doch wenigstens wasserkühlt gewesen, meine ich, im Kopf.
Jens Kratschmar: Die hatten eine partielle wasserkühlung der motor war auf jeden fall wasser gekühlt und ich meine teile des bms auch Weil ich meine der akku nicht
Luca Leicht: Anyway, aber es ist halt, ich meine, die waren ja, die waren ja noch teurer. Die waren ja bei 30.000 Euro.
Jens Kratschmar: Ich glaube, bei 22, 23 hat es da angefangen und dann wirklich die Top-Modelle, ja dann schon an die 8 und 28. Ja, okay, genau. Aber die waren auch damals die einzigen, mit denen man schon an den Supercharger von Tesla ran konnte, weil die vor 5, 6 Jahren schon einen CCS-Anschluss hatten. Da hat man zumindest an die Ladesäulen ran können, ohne jetzt ein eigenes Ladekabel mitzuschleppen. Und ich glaube, in der Spitze sind dann auch mal irgendwie so 17, 18 kW mit Sicherheit rein, aber sonst auch nicht so wirklich viel mehr.
Luca Leicht: Aber ich bin ja selber Motorradfahrer seit Kindern leider nicht mehr so richtig viel, aber das ist ein anderes Problem, aber die grundsätzliche Geschichte, wie ich zum Motorradfahren kam und das sehr umfänglich betrieben hab, war das Reisen. Reisen mit diesen Dingern fällt dann ja aber eigentlich immer flach, oder? Ist das irgendwie sinnig für eine alten Tour? Keine Ahnung, es gibt ja genug Leute mit dem Hänger. Zu den Alpen fahren und dann dort zu fahren. Ergibt das Sinn oder ist das dann alles Quatsch?
Jens Kratschmar: Oh, es ist natürlich jetzt eine schwierige Frage, ob irgendwas für die Allgemeinheit Sinn ergibt aus meiner Perspektive heraus. Wenn ich im Hänger anreise, ergibt es natürlich Sinn, wenn ich natürlich nicht die riesigen Strecken in den Alpen jetzt an einem Tag zurücklege, wenn ich irgendwo laden kann. Jetzt zum Reisen selbst bist du natürlich mit so über Land mit so einer Reichweite von so um die 100 Kilometer vielleicht ein bisschen mehr. Also dann auch Landstraßengeschwindigkeit, also Durchschnitt 60 plus. Natürlich auch sehr eingeschränkt und muss dann natürlich aber auch zielgenau eine Ladesäule haben, die du anfangen kannst und auch dann wirklich laden. Aber dann brauchst du ja auch wieder irgendwie eine Stunde Zeit und das machst du natürlich.
Luca Leicht: Das würde ich jetzt sagen, das kann man ja dann irgendwie Kaffee pausenmäßig hier hinzwirbeln. Wir sagen Durchschnittsgeschwindigkeit 60, bei 120 Kilometern Reichweite dann in dem Moment. Das sind dann zwei Stunden, dann mache ich eine Pause und gönne mir einen einen Kaffees. Das ist jetzt vielleicht nicht die, auch als rein aus gesundheitlichen Gründen für alle Beteiligten, einen selbst und auch das Drumherum, nicht nur die schlechteste Variante. Nicht die schlechtesten. Infrastruktur ist jetzt auch, muss man auch dazu sagen, ja gar nicht mehr so schlecht. Ich frage mich gerade eher, wenn es so ist, wie läuft denn dann so Kleinigkeit wie mit einem Ladekabel? Das habe ich dann dabei oder nicht.
Jens Kratschmar: Das musst du dann dabei haben, weil, wie gesagt, die meisten der Modelle haben halt nur einen Typ-2-Stecker und welche Ladesäule da draußen in einer funktionierenden Infrastruktur hat noch einen Typ 2-Kabel dranhängen. Die haben alle CCS und die kriege ich halt einfach, selbst wenn ich es wollte, ich kriege es ja bei meinem Motorrad nicht. Ich kriege mein Motorrad noch nicht geladen, selbst, wenn ich Millionen Ladesäusen finde, kriege das einfach nicht geladet und mein Kabel mitschleppen, da brauche ich halt eine Tasche für. Das ist auf Reisen schwierig. Und jetzt wer jetzt genau in Substitutionsgut sieht und sagt, ich möchte meine Reise Enduro gegen Benziner, gegen Elektro tauschen, der deutsche Motorradfahrer, der fährt halt mal entspannte 500 Kilometer am Stück an und ist mozzig, wenn er nach 380 Kilometer tanken muss. Also das ist natürlich elektrisch dann einfach schwierig. Das muss man dann schon wollen akzeptieren. Es gibt diese Leute, die kenne ich auch und für die ist das auch alles fein. Die haben das System für sich so akzeptiert, weil sie gesagt haben, das ist Nun mal so, aber ich möchte so reisen und für die ist das okay. Aber für alle anderen, die jetzt einfach umsteigen würden, von Boxer GS auf Zero DSR X, die müssten sich so krass umgewöhnen in ihrem Fahralltag, dass ich das einfach weiterhin als Hürde sehe.
Luca Leicht: Was mich ehrlich gesagt in dem Gespräch fasziniert, ist, dass du sagst, dass die Stark vark mit ihrem, mit ihrer Idee oder mit ihrem Ansatz im Motorsport tatsächlich Fuß zu fassen, tatsächlich funktioniert. Wenn ich jetzt in den Automobilmotorsport gucke, ist wenn was nicht funktioniert oder nur ganz, ganz, ganz schlecht und wenig, wenig erfolgreich, dann ist es der Elektro-Auto-Motorsport. Ist das Enduro-Fahren oder dieses Offroad-Fahnen das einzige Metier, in dem du das siehst? Oder gibt es da auch noch andere Dinge, wo man mit so einem ganz spitzen Angang, wie es eben dann im Offroadbereich ist?
Jens Kratschmar: Dann punkten kann. Ich glaube ja, weil es tatsächlich ein Problem löst. Wir haben ja jetzt viele Motocross Strecken oder also Enduro in Deutschland ist ja sowieso ein schwieriges Thema. Du darfst ja eigentlich draußen kein Offroad einfach fahren. Aber es geht dann natürlich um diese Motocoss Strecken. Und da ist natürlich die Sache, die sind ja meistens sehr ortsnah irgendwo hinterm Dorf, wie bei mir jetzt. Wir haben hinten auf dem Berg ist eine Motocosse Strecke. Und da hörst du natürlich einen Verbrenner einfach fahren Und das ist je nachdem, wie ich jetzt gerade drauf bin, stört's mich oder stört es mich nicht. Und wenn es mich zu viel stört, dann ruft halt irgendwann jemand an und beschwert sich, dass es da zu laut ist. Und dann hast du natürlich mit einem Motorrad was genau diesen Einsatzbereich, das kommt natürlich darauf, dass der Motorsport offroad ein anderer ist als auf der Rundstrecke. Ein Motocross-Rennen ist zeitlich exakt begrenzt. Du fährst halt maximal 20 Minuten. Und das ist natürlich jetzt bei einem bei einem Autorennen anders, da fährst du halt eine gewisse Rundenzahl. Egal wie schnell. Und da ist natürlich das sehr begrenzt. Das heißt, ich kann das Motorrad sehr, sehr genau abstimmen. Wie viel Kapazität ich tatsächlich brauche, um immer im wahrsten Sinne des Wortes über die Runden zu kommen. Und Enduro Rennen ist ja jetzt. Da steckt ja das Wort Endurance drin, das hat jetzt auch nichts mit Geschwindigkeit zu tun. Es ist natürlich gut, weil man bei einem Enduro-Rennen schnell ist, dann ist man vielleicht der Erste. Aber am Ende des Tages geht es erst mal darum, jetzt halt einfach diese ganzen Prüfungen zu schaffen, diese ganzen körperlichen Hürden, die da so überwinden sind. Und da brauche ich jetzt nicht den riesen Akku, da muss ich einfach nur eine verlässliche Technik haben. Und da kommen wir zum Elektromotor, ein 100% gleichmäßiges Drehmoment. Und das ist natürlich auch so ein Pfund, was Elektrommotorräder offroad haben. Du kannst natürlich mit ganz, ganz wenig Gas sehr, sehr konstant Drehmoment abrufen. Du musst nicht kuppeln, du musst nicht schalten, du muss nicht mit der Kupplung schleifen lassen. Du kannst einfach mit dem Gas im Prinzip Drehmomen Newtonmeter genau abruhen und dich so durch den Dreck wühlen. Habe ich auch schon. Das war ein unglaublich angenehmes Fahren Offroad mit dem Elektromotorrad. Total super.
Luca Leicht: Okay, und dann haben wir vorhin schon mal kurz angeteasert das Thema Roller. Ich habe geguckt, die Rollerzulassungen sind tatsächlich auch lustigerweise alle bei quasi oder gefühlt einen Großteil, ein großer Teil bei einem Hersteller, das ist alles bei Niu. Ist meines Erachtens nach ein chinesischer Herstaller, oder ist das Taiwan? Niu ist China. Oder China? Wenn du vorhin sagst, dass auf der EIC meierst, wo du dich gerade befindest, übrigens in deinem schönen Büro, das wir im Hintergrund sehen, wenn da immer wieder jemand durchs Bild stiefelt, schöne Grüße gehen raus an die Kollegen, haben wir bei der Motorrad dann auch diesen vermeintlichen Hang, Drang aus Asien, der da jetzt nach Europa pusht und kommt mit neuen Modellen, mit Rollern, mit Mobilitätsangebot und so? Oh, das ist so nett.
Jens Kratschmar: Autoangst? Ne, das ist keine pure Autoangste. Es ist nur auch sehr differenziert. Chinesische Hersteller bieten jetzt in der Masse hier einfache Roller an für wenig Geld. So echte Motorräder habe ich jetzt neu nur tatsächlich von dem Chinesischen Hersteler 1 gesehen mit einer sehr einfachen Technik. Zwar es halber schon wassergekühlte Systeme, allerdings halt kein mittragender Akku, vergleichsweise schwer Kettenantrieb. Mittelmotor nicht mit koaxialer Schwingenlagerung, deswegen Kettenantrieb und das sind natürlich keine sehr eleganten Lösungen, die man dann so hat. Weil ich natürlich dann mit der Kette wieder mir einen riesigen Wirkungsgrad Kille reinhau und natürlich auch Lautstärke, weil eine Gliederkette läuft natürlich immer sehr laut, schwingt, weil sie durchhängen muss. Und da ist natürlich eine schöne Konstruktion mit einer koaxialen Schwingelagerung auf dem Motorausgang mit dem Zahnriemen natürlich schon sehr leise. Und schön sauber.
Luca Leicht: Also Jens, wenn wir uns nochmal anschauen mit den Rollern, da geht ja irgendwie doch am meisten aktuell. Wie siehst du denn da den Markt? Ist das das, wie die E-Mobilität im Einspurbereich tatsächlich irgendwie Fuß fassen kann? Oder geht es darüber auch hinaus?
Jens Kratschmar: Ja, ich glaube mittelfristig, also die nächsten 3 bis 5 Jahre, wird der Elektroroller, so wie du es ja entschuldigt auch schon wahrgenommen hast, so diesen Verbrennerroller sukzessive ersetzen, weil es einfach für die Stadt das logischere Antriebskonzept ist und ein Stück weit auch das natürliche nachhaltigere Antriebskonzept. Gerade wenn man sich da natürlich die Modelle anguckt, die da kommen, mit immer ausgefeilteren Wechselakkusystemen. Und wenn ich mir jetzt das projiziere, was ja in Indien und China schon relativ gern und gäbe, ist das da so. Amazon-Paket-Stationen, ähnliche Austauschstationen rumstehen, wo ich einfach mit meinem Roller hin kann und ich habe dann, das hat ja auch der ein oder andere europäische Hersteller, japanische Herstellere auch schon durchfabriziert, dass die nur noch ein Akkusystem haben, wo ich dann quasi hingehen kann, ziehe den leeren Akku raus wie eine Kartusche, schiebe den rein und ziehe einen neuen raus, dann kann das dann schon noch ein bisschen besser werden. So, jetzt für den, als Ersatz für das Motorrad sehe ich jetzt... So wie es im Kontext Auto relativ wenig anzeichnet. Das wird einfach ein enthusiastiges Ding bleiben, weil natürlich jetzt auch der Markt sich jetzt nicht groß verändert und entwickelt. Aber so in dieser Rollerebene, da werden schon neue Konzepte kommen, auch dann mit Sicherheit wieder Konzepten wie von BMW oder von Segway mit Überrollbügel, wo ich mich anschnallen muss, dass ich kein Helm mehr fahren muss. Und ich glaube, das könnte der ganze Nummer dann im urbanen Bereich nochmal so einen Schub geben.
Luca Leicht: So ein echtes Mikromobilitätskonzept. Und weil du jetzt gerade auch diese Wechselstationen angesprochen hast, beim Auto ist es ja immer wieder das, dass alle sagen, wir bräuchten nur ein Wechselakku, NIO, also nicht Niu, sondern NIO. Hat das ja auch versucht. Die machen aber gerade leider, irgendwie, ich find's schade, weil das Konzept ja irgendwie doch spannend ist und auch technologisch interessant, die Standorte in Deutschland nach und nach dicht. Das, denkst du, ist so ein Ding, das ist auch nach Europa. Vielleicht sogar nach Deutschland im Speziellen kommen wird, dass wir so Wechselstationen haben mit einem Einheitsakku.
Jens Kratschmar: Kann sein, ist natürlich gerade deswegen, weil es ein Einheitsakku ist, ein Einheiz-Akku wäre über mehrere Hersteller, gäbe das natürlich deutlich mehr Sinn als jetzt wie bei einem Mio, wo ich ja einen strukturellen Bestandteil des Fahrzeuges relativ aufwendig mit einer aufwendigen Infrastruktur dahinter tauschen muss. Ich brauche ja irgendwo, ich brauche diese Hütte, wo ich reinfahren kann, dann brauche ich ja irgendwie dieses Lagersystem für diese Schokoladentafeln, großen Akkus, dann müssen die da raus, dann müssen die rein, aber jetzt. Das sind halt wie so kleine Kartuschen, die da einfach nur aus dem Roller rausgezogen werden, mit einer Hand in die Ladestation und rein. Also das kann ich selbst machen. Das können wahrscheinlich sogar 10 bis 15 Rollerfahrer gleichzeitig machen, ohne dass sie sich jetzt irgendwie auf den Füßen stehen. Und auch das ist jetzt bei den durch das Begrüßen werden Neosystem auch nicht machbar.
Luca Leicht: Ja, das ist wahr.
Jens Kratschmar: Ja, dementsprechend...
Luca Leicht: Ich finde es so spannend, weil du da diesen Einheitsakku brauchst. Das heißt aber auch da denke ich mir immer, ist ja auch ein gewisses Maß an Innovationsfähigkeit, was die Technologie angeht, einfach begrenzt, weil wenn da eine andere Spannung hat, ein anderes Lademanagement braucht und und und, dann geht es halt nicht mehr, sondern du lockst dich dann auf Stand 2026 ein, auch 2035 noch, ohne dass du umfängliche Fahrzeugupdates und so brauchst, aber grundsätzlich finde ich den Ansatz mega interessant und cool.
Jens Kratschmar: Ja, ich brauche ja jetzt natürlich jetzt in diesem Bereich, brauche jetzt nicht unbedingt immer den hottesten Schritt der Zelltechnik und Architektur. Da haben wir halt irgendwie, da reden wir halt über Akkus in der Größe von zwei bis zweieinhalb Kilowattstunden, die diese kleinen Elektroroller natürlich dann auch wieder lange antreiben können. Das muss nicht Hochperfomance sein, das muss nicht immer die neueste Technik sein, das muss halt einfach jetzt nur eine Technik, die im Kontext lange lange hebt, weil ich natürlich diese Mobilität lange erhalten möchte.
Luca Leicht: Ja, es ist ein cooler Gedanke. Und wo wir gerade bei diesem vielleicht Zukunftsszenario sind, zum Abschluss noch, was wäre denn in deinen Augen, du bist ja schon ein bisschen enthousiast in Sachen E-Mobilität, vor allem auch im Zweiradbereich, was wäre dein Wunsch oder dein Szenario, dass du sagst, das brauchen wir, und dann läuft es tatsächlich, dann ist es angekommen, dann sind wir nicht mehr bei irgendwelchen 5-10% Marktanteil, sondern wirklich bei einem veritablen Anteil.
Jens Kratschmar: Ich glaube Key für diese Technik im Motorrad sein, dass einfach die Ladezeiten sinken. Dass wir einfach in NC-Raten kommen, die über 1 liegen. Ich kann jetzt nicht davon träumen, dass Motorrad in 50 Kilowattstunden Akku haben wird, wie jetzt Einsteigerautos aus einem Stellantis-Konzern oder was auch immer. Aber ich würde gern davon träum, dass ich einfach so ein 18, 19 Kilowattsstunden Akku, dass sich den halt einfach in wirklich auch in 20 Minuten voll bekomme. Ich glaube, das würde. Die ganze Thematik zumindest auf der Anwenderseite ändern, dann kommen wir eventuell schon wieder dann in Probleme der Infrastruktur, weil dann natürlich plötzlich anfangen, neben meinem Tesla am CCS-Lader am Bauhaus stehen dann halt auch plötzlich zwei BMWs, drei KTMs und sonst was rum. Aber ich hätte lieber das Problem als das andere, dass ich nicht elektrisch fahren kann, weil um als Abschluss... Wer schon mal durch den Stuttgarter Sommer gependelt ist mit einem Elektrofahrzeug, der erfreut sich natürlich an Systemtemperaturen von unter 50 Grad, während mir natürlich so eine Verbrennermaschine mit der gleichen Kraft halt mal mit entspannten 120 Grad Betriebstemperatur von unten entgegengrillt und dann nehme ich lieber das kühle System.
Luca Leicht: Ja absolut. Und aber noch da angebunden, glaubst du, das kommt dann von den KTMs und BMWs, die du gerade angesprochen hast? Oder ist das dann, wird das so ein Ding werden, dass von Newcomern vielleicht sogar von den Chinesen kommt?
Jens Kratschmar: Ne, also von KTM und BMW glaube ich nicht, weil da natürlich auch die, obwohl die Marken groß sind, natürlich die Stückzahlen, die die Konzerne in Summe ausspucken, nicht so groß. Wir haben ja über 200.000, 300.000 Motorräder im Jahr. Für beide je einzeln. Wenn, dann erwarte ich das von Honda. Die verkaufen halt irgendwie so zwischen 18 und 20 Millionen Motorräder im Jahr auf der ganzen Welt. Also wenn das jemand hinkriegt, dann Honda. Nur wir wissen ja von japanischen Herstellern, es braucht natürlich sehr lange, bis dann solche Techniken, die geben die ja nur raus, wenn sie wirklich schusssicher sind. Und es dauert natürlich bis weit länger. Es werden halt bald immer so Highlights kommen, wie jetzt zum Beispiel von Segway mit dem Orca mit 800 Volt Ladetechnik, die so vielleicht wieder diese Begehrlichkeit ein bisschen wecken und vielleicht auch nicht nur die Begehnlichkeit, sondern auch den ein oder anderen Ingenieur sagen, ach, komm, lass uns doch mal gucken, was wir irgendwie transferieren können. Aber wie gesagt, es ist ein Traum.
Luca Leicht: Ich meine, die Hoffnung stirbt zuletzt. Selbst Toyota hat jetzt ja den Weg gefunden und wird ja ein Corolla als E-Fahrzeug und als Verbrenner anbieten, aber eben auch als E Fahrzeug will da auch nachholen. Vielleicht schafft es auch Honda und Co. Beim E-Auto sind sie ja noch nicht so richtig megamäßig am Start leider.
Jens Kratschmar: Aber gut, ja, wie gesagt, Honda mit der WN7 jetzt vielleicht noch eine kleine Ausnahme mit einer modernen Technik, aber halt auch nur ein kleiner Leuchtturm.
Luca Leicht: Jens, vielen Dank. Ich wünsche Ihnen noch einen schönen Resttag auf der Messe. Ich hoffe, ihr seid noch fleißig und fleißige am Tippen, Drehen und Co. Und dann sage ich vielen Dank, Tschüss, bis zum nächsten Mal und wir sehen uns in Stuttgart.
Jens Kratschmar: Boah, tschau!